Weiße, watteartige Polster an Ästen, Schnittwunden oder jungen Trieben deines Apfelbaums können auf Blutläuse hinweisen. Unter den auffälligen Wachsfäden sitzen kleine, dunkel gefärbte Insekten, die Pflanzensaft saugen und bei längerem Befall knotige Rindenwucherungen verursachen können. Besonders an jungen Bäumen solltest du solche Kolonien früh kontrollieren. Ein kräftiger, älterer Apfelbaum verträgt dagegen einzelne Befallsstellen häufig ohne größere Schäden. Entscheidend ist, ob sich die Läuse weiter ausbreiten, neue Triebe besiedeln oder bereits Rindenverletzungen entstehen. Nicht jeder weiße Belag ist allerdings eine Blutlauskolonie. Auch andere Insekten, Pilzbeläge und harmlose Veränderungen können zunächst ähnlich aussehen. Untersuche deshalb zuerst die Tiere unter der weißen Wachsschicht und achte auf ihren bevorzugten Aufenthaltsort. Anschließend lässt sich entscheiden, ob mechanisches Entfernen genügt oder weitere Maßnahmen erforderlich sind.
Blutläuse bekämpfst du am sinnvollsten, indem du kleine Kolonien frühzeitig vorsichtig abbürstest, stark besiedelte Jungtriebe gezielt entfernst und natürliche Gegenspieler schützt. Besonders wichtig ist die Blutlauszehrwespe, die den Schädling parasitiert. Bei älteren, kräftigen Apfelbäumen reicht häufig eine regelmäßige Kontrolle. Auf großflächiges Spritzen solltest du ohne begründeten Bedarf verzichten.

Inhalt
- Blutlaus erkennen: So sieht der Schädling am Apfelbaum aus
- Blutlaus, Wolllaus oder Schildlaus? Diese Unterschiede sind wichtig
- Wie gefährlich sind Blutläuse für den Apfelbaum?
- Blutläuse bekämpfen: Diese Maßnahmen haben Vorrang
- Blutlauszehrwespe und andere Nützlinge fördern
- Wann treten Blutläuse auf?
- Blutläusen langfristig vorbeugen
- Helfen Neemöl, Schmierseife oder andere Hausmittel?
- Woran du erkennst, ob sich der Befall bessert
- Können Äpfel von einem befallenen Baum noch gegessen werden?
Blutlaus erkennen: So sieht der Schädling am Apfelbaum aus
Die Blutlaus (Eriosoma lanigerum) gehört zu den Blattläusen. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist inzwischen in europäischen Apfelanbaugebieten weitverbreitet.
Anders als viele gewöhnliche Blattlausarten besiedelt sie vor allem verholzte Pflanzenteile, Rindenverletzungen und junge Triebe. Besonders auffällig sind ihre weißen, watteähnlichen Wachsausscheidungen.
Weiße Watte an Ästen und Schnittstellen
Die Kolonien sehen aus einiger Entfernung wie kleine Baumwollflocken aus. Häufig befinden sie sich an:
- Frischen oder älteren Schnittwunden.
- Rissen und Unebenheiten der Rinde.
- Astgabeln und verletzten Stellen.
- Jungen Trieben und ihren Blattachseln.
- Kräftigen Wasserschossen.
- Stammgrund und Wurzelhals.
Anfangs sind manchmal nur einzelne kleine weiße Flecken sichtbar. Später können mehrere Kolonien zusammenwachsen und größere Bereiche bedecken.
Die weiße Substanz besteht nicht aus Pilzmyzel, sondern aus feinen Wachsfäden, welche die Tiere ausscheiden. Sie bietet einen gewissen Schutz gegen Witterungseinflüsse und erschwert auch die Benetzung mit Pflanzenschutzmitteln.
Wie sehen Blutläuse ohne Wachswolle aus?
Unter dem weißen Belag sitzen etwa zwei Millimeter große, gedrungen wirkende Läuse.
Ihr Körper ist graubraun, dunkelviolett bis rotbraun gefärbt. Junge Tiere sind kleiner und besitzen nicht immer bereits eine ausgeprägte Wachsschicht.
Die meisten Blutläuse sind flügellos. Im Sommer entstehen jedoch auch geflügelte Tiere, die zur Verbreitung auf andere Bäume beitragen können.
Ein besonders bekanntes Erkennungsmerkmal ist die rötliche Körperflüssigkeit. Werden die Tiere zerdrückt, kann ein blutroter bis rotbrauner Fleck entstehen. Daher stammt ihr deutscher Name.
Du musst die Tiere zur Bestimmung aber nicht absichtlich zerdrücken. Häufig genügt es, den Wachsflaum an einer kleinen Stelle vorsichtig mit einem Holzstäbchen auseinanderzuschieben und die darunterliegenden Läuse mit einer Lupe zu betrachten.
Blutläuse am Baum richtig kontrollieren
Untersuche zuerst die Bereiche, an denen die Tiere besonders häufig Kolonien bilden.
- Schnittstellen ansehen: Suche an älteren und neueren Schnittwunden nach weißem Wachsflaum.
- Jungtriebe prüfen: Besonders kräftige, senkrecht wachsende Triebe kontrollieren.
- Stammgrund untersuchen: Schau nach Rindenritzen und auffälligen Ansammlungen am Wurzelhals.
- Lebende Tiere feststellen: Schiebe etwas Wachswolle auseinander und prüfe, ob sich darunter Läuse befinden.
- Rindenzustand beurteilen: Achte auf Verdickungen, Risse und absterbende Triebpartien.
Für einen kleinen Gartenbaum kannst du einige gut erreichbare Äste aus unterschiedlichen Kronenbereichen auswählen und die Befallsstellen fotografieren.
Wichtig ist, die Untersuchung bei späteren Kontrollen an denselben Stellen zu wiederholen. So erkennst du besser, ob eine Kolonie tatsächlich wächst oder lediglich alte Wachsrückstände sichtbar geblieben sind.
Die Blutlaus-Bilder des Pflanzenschutzdienstes Hessen zeigen typische Kolonien an jungen Trieben und älterem Holz.
Blutlaus, Wolllaus oder Schildlaus? Diese Unterschiede sind wichtig
Nicht jeder weiße Belag an einem Gehölz stammt von Blutläusen. Verschiedene saugende Insekten bilden Wachsausscheidungen, die auf den ersten Blick ähnlich wirken.
Auch Pilzbeläge und Veränderungen an der Rinde können mit einem Schädlingsbefall verwechselt werden.
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Entscheidender Hinweis |
|---|---|---|
| Weiße Wattepolster an Apfelrinde, Wunden und Jungtrieben | Blutlaus | Kleine dunkelrote bis graubraune Läuse unter Wachsfäden |
| Weißlich gepuderte oder grünliche Läuse auf jungen Blättern | Andere Apfelblattläuse | Kolonien überwiegend am Laub, häufig eingerollte Blätter |
| Weiße, watteartige Beläge mit deutlich erkennbaren ovalen Tieren | Wollläuse beziehungsweise Schmierläuse | Körperbau und Wirtspflanze unterscheiden |
| Festsitzende, schildartige Erhebungen an Zweigen | Schildläuse | Schilde oder fest anhaftende Körper statt lockerer Wachswolle |
| Dunkle, eingesunkene und aufreißende Rindenbereiche | Obstbaumkrebs oder andere Rindenerkrankungen | Abgestorbenes Rindengewebe, nicht zwingend lebende Läuse |
Andere Apfelblattläuse sitzen häufig an den Blättern
Grüne Apfelblattläuse und Mehlige Apfelblattläuse befallen bevorzugt junge Blätter und Triebspitzen.
Sie können eingerolltes Laub, klebrigen Honigtau und verformte Triebe verursachen.
Die Blutlaus besiedelt dagegen vor allem Rinde, Holz und weiche Triebachsen. Ihre charakteristischen Wachspolster sitzen häufig direkt an Schnitt- und Verletzungsstellen.
Ein stark eingerolltes Apfelblatt ohne weiße Kolonien am Holz spricht deshalb nicht automatisch für Blutläuse.
Weitere Unterscheidungsmerkmale findest du unter ➡️ Blattläuse erkennen und ihre Arten unterscheiden.
Schildläuse können ebenfalls die Rinde besiedeln
Schildläuse sitzen häufig fest an Zweigen oder Stämmen. Viele Arten bilden einen sichtbaren Schutzschild oder besitzen eine auffällige Körperoberfläche.
Die weiße, locker fädige Wachswolle der Blutlaus fehlt bei den meisten typischen Obstbaumschildläusen.
Wenn du statt beweglicher Läuse zahlreiche feste, rundliche oder längliche Gebilde entdeckst, hilft dir ➡️ Schildläuse sicher erkennen weiter.
Blutlauskrebs nicht mit Obstbaumkrebs gleichsetzen
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen den durch Blutläuse verursachten Wucherungen und einer echten pilzlichen Rindenerkrankung.
Der sogenannte Blutlauskrebs entsteht durch die Saugtätigkeit und Speichelabgabe der Läuse. Dabei bildet das betroffene Pflanzengewebe unregelmäßige Verdickungen.
Obstbaumkrebs wird dagegen durch einen Krankheitserreger verursacht, insbesondere den Pilz Neonectria ditissima.
Typisch für diese Erkrankung sind unter anderem eingesunkene, abgestorbene Rindenpartien, aufreißende Bereiche und teilweise ringförmige Überwallungen.
Beide Probleme können gleichzeitig auftreten. Durch Blutläuse geschädigte Rinde kann zusätzliche Eintrittsstellen für Krankheitserreger bieten.
Eine knotige Verdickung allein beweist weder einen aktiven Blutlausbefall noch eine Pilzinfektion. Kontrolliere deshalb, ob lebende Läuse vorhanden sind und wie sich das umgebende Rindengewebe entwickelt.
Wie gefährlich sind Blutläuse für den Apfelbaum?
Blutläuse saugen Pflanzensaft aus geeigneten Bereichen der Triebe, Äste und Wurzeln.
Dabei kann ihre Speichelabgabe ungewöhnliches Zellwachstum auslösen. An den Saugstellen entstehen schwammige, später häufig verholzende Wucherungen.
Bei längerem oder starkem Befall können diese aufreißen.
Das Ausmaß des Schadens hängt wesentlich vom Alter und Zustand des Baums ab.
Junge Apfelbäume sind besonders gefährdet
Bei Jungbäumen können zahlreiche Blutlauskolonien das Triebwachstum deutlich beeinträchtigen.
Die betroffenen Triebe wachsen möglicherweise schwächer, reifen schlechter aus oder sterben teilweise ab.
Eine unzureichende Holzreife kann außerdem die Frostempfindlichkeit erhöhen.
Besonders problematisch ist ein starker Befall am Stammgrund oder in der Nähe der Veredlungsstelle.
Dort können Rindenwucherungen die Entwicklung zusätzlich beeinträchtigen. Auch unterirdische Kolonien an den Wurzeln sind möglich.
Wenn ein frisch gepflanzter Apfelbaum zunehmend schwächelt und gleichzeitig zahlreiche Blutlauskolonien aufweist, solltest du den Befall deshalb ernst nehmen.
Ältere Bäume vertragen einen begrenzten Befall häufig
Ein kräftiger, ausgewachsener Apfelbaum kann einzelne Kolonien meist gut tolerieren.
Der Pflanzenschutzdienst Hessen weist ausdrücklich darauf hin, dass bei größeren Bäumen im Garten eine Bekämpfung nicht grundsätzlich erforderlich ist.
Solange der Baum gesund austreibt, die Kolonien begrenzt bleiben und keine zunehmenden Rindenschäden entstehen, genügt häufig eine regelmäßige Beobachtung.
Eine einzelne weiße Stelle ist deshalb kein Grund, sofort den gesamten Baum zu behandeln.
Anders sieht es aus, wenn:
- Immer mehr junge Triebe besiedelt werden.
- Kolonien wiederholt große Bereiche bedecken.
- Neue Rindenwucherungen entstehen.
- Triebe eintrocknen oder zurücksterben.
- Der Baum bereits deutlich geschwächt ist.
In solchen Situationen solltest du gezielt eingreifen und gegebenenfalls eine fachliche Beratung hinzuziehen.
Blutläuse bekämpfen: Diese Maßnahmen haben Vorrang
Bei kleinen oder örtlich begrenzten Kolonien reichen mechanische Maßnahmen häufig aus.
Entscheidend ist, die Tiere tatsächlich zu entfernen und gleichzeitig gesunde Rinde sowie natürliche Gegenspieler möglichst wenig zu schädigen.
1. Kleine Kolonien vorsichtig abbürsten
Das mechanische Entfernen gehört zu den wichtigsten Maßnahmen im Hausgarten.
Verwende eine weiche Bürste, beispielsweise eine geeignete kleine Handbürste mit nicht zu harten Borsten.
Gehe folgendermaßen vor:
- Suche die besiedelten Stellen an Ästen und Stamm auf.
- Prüfe, ob sich unter der Wachswolle lebende Läuse befinden.
- Bürste die Kolonie vorsichtig von der Rindenoberfläche.
- Achte darauf, dass die Rinde nicht aufgerissen oder abgeschürft wird.
- Kontrolliere die Stelle nach einigen Tagen erneut.
Bei Bedarf kannst du die Bürste leicht mit Wasser anfeuchten.
Der Pflanzenschutzdienst Hessen nennt auch das Abbürsten mit Schmierseifenlösung als mögliche Maßnahme. Dabei solltest du jedoch nicht wahllos konzentrierte Seifenmischungen auf verletztes Pflanzengewebe auftragen.
Wichtig: Verwende keine Drahtbürste und kratze nicht mit einem Messer tief in die Rinde. Dadurch können zusätzliche Wunden entstehen, die wiederum günstige Besiedlungsstellen bieten.
Bei wenigen gut erreichbaren Kolonien ist das Abbürsten besonders praktikabel. Für einen großen Baum mit zahlreichen schwer zugänglichen Befallsstellen eignet sich die Methode nur eingeschränkt.
2. Stark befallene Jungtriebe gezielt entfernen
Sind einzelne junge Triebe stark mit Blutläusen besetzt, können sie im Rahmen eines maßvollen Sommerschnitts entfernt werden.
Das ist besonders bei kräftigen Wasserschossen sinnvoll, die für den weiteren Kronenaufbau nicht benötigt werden.
Schneide jedoch nicht automatisch jeden Trieb ab, auf dem sich einige Läuse befinden.
Bei einem jungen Baum sind die vorhandenen Äste für die spätere Kronenentwicklung wichtig. Ein unnötig starker Rückschnitt kann neue kräftige Triebe auslösen, die wiederum für Blutläuse attraktiv sind.
Entferne deshalb bevorzugt stark besiedelte und ohnehin entbehrliche Triebe.
Sitze die Kolonie an einem wichtigen Gerüstast oder direkt am Stamm, ist vorsichtiges Abbürsten meist die schonendere erste Maßnahme.
3. Rindenwucherungen nicht wahllos herausschneiden
Ein häufiger Fehler ist der Versuch, jede knotige Verdickung mit einem Messer vollständig zu entfernen.
Solche Wucherungen können jedoch tief mit dem darunterliegenden Holz verbunden sein.
Durch großzügiges Ausschneiden entstehen möglicherweise erhebliche Rindenverletzungen.
Außerdem verschwinden bereits gebildete Verdickungen nicht automatisch, nachdem die Läuse entfernt wurden.
Wenn die betroffene Rinde weiterhin lebt und der Baum stabil wächst, solltest du nicht ohne Not tief in das Gewebe schneiden.
Bei abgestorbenen Rindenpartien, sich ausbreitenden Krebsstellen oder zurücksterbenden Ästen ist die Situation anders. Dann muss geprüft werden, ob zusätzlich eine Pilzkrankheit vorliegt.
Ein fachgerechter Schnitt kann erforderlich sein, sollte sich aber nach dem tatsächlichen Schaden richten.
4. Nicht versuchen, sämtliche Läuse auf einmal zu beseitigen
Blutläuse können sich auch in tiefen Rindenritzen, am Stammgrund und im oberen Wurzelbereich aufhalten.
Selbst nach gründlichem Abbürsten können deshalb neue Kolonien entstehen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Maßnahme wirkungslos war.
Kontrolliere stattdessen, ob die Zahl aktiver Kolonien abnimmt und ob sich die Ausbreitung auf weitere Triebe verlangsamt.
Ein vollständiger Schutz vor erneutem Zuflug ist im Freiland ohnehin kaum möglich.
Blutlauszehrwespe und andere Nützlinge fördern
Die wichtigste natürliche Gegenspielerin der Blutlaus ist die Blutlauszehrwespe (Aphelinus mali).
Diese winzige parasitische Wespe legt ihre Eier in Blutläuse. Ihre Larven entwickeln sich innerhalb des Wirts und töten ihn schließlich ab.
Der Nützling kommt auch in Deutschland vor und kann zur natürlichen Regulierung der Blutlauspopulation beitragen.
So erkennst du parasitierte Blutläuse
Parasitierte Blutläuse verändern ihr Aussehen.
Sie bilden weniger beziehungsweise keine typische Wachswolle mehr und verfärben sich dunkel. Schließlich entstehen schwarze, mumienartige Körper.
Ist die erwachsene Blutlauszehrwespe bereits geschlüpft, kannst du mit einer Lupe unter Umständen ein kleines rundes Austrittsloch erkennen.
Findest du solche dunklen Tiere zwischen lebenden Blutläusen, ist das ein Hinweis auf die Aktivität des natürlichen Gegenspielers.
Entferne deshalb nicht grundsätzlich jede Kolonie, ohne ihren Zustand zu prüfen.
Bei einem kräftigen Baum mit begrenztem Befall und zahlreichen parasitierten Läusen kann es sinnvoll sein, zunächst die weitere Entwicklung zu beobachten.
Warum die Blutlauszehrwespe häufig erst später hilft
Die Blutlaus kann bereits bei relativ niedrigen Frühjahrstemperaturen aktiv werden.
Ihre Gegenspielerin benötigt für eine günstige Entwicklung dagegen höhere Temperaturen.
Deshalb kann die Blutlauspopulation im Frühjahr zunächst stark zunehmen, während die Parasitierung durch Aphelinus mali erst im Sommer deutlicher wird.
Fachinformationen aus dem ökologischen Obstbau beschreiben häufig eine besonders wirksame Parasitierung im Juli und August.
Das erklärt, warum manche Kolonien im Laufe des Sommers zurückgehen, ohne dass sie direkt bekämpft wurden.
Allerdings ist die natürliche Regulierung nicht immer ausreichend. Besonders bei starkem Frühjahrsbefall an Jungbäumen können schon vorher Schäden entstehen.
Ohrwürmer, Marienkäfer und Florfliegen
Neben der Blutlauszehrwespe gehören Ohrwürmer zu den wichtigen Gegenspielern.
Auch Marienkäfer, Florfliegenlarven und Schwebfliegenlarven können Blutläuse fressen.
Ohrwürmer lassen sich beispielsweise durch geeignete Verstecke aus gebündelten Halmen oder mit Holzwolle gefüllten Tontöpfen unterstützen.
Die Verstecke sollten so angebracht sein, dass die Tiere sie vom Stamm oder von Ästen aus erreichen können.
Solche Maßnahmen fördern vorhandene Nützlinge, garantieren aber keine sofortige Besiedlung.
Eine vielfältige Gartenbepflanzung mit geeigneten Blütenangeboten kann weitere natürliche Gegenspieler unterstützen.
Bei Nützlingen zum gezielten Ausbringen ist dagegen Vorsicht angebracht: Nicht jede gegen gewöhnliche Blattläuse eingesetzte Schlupfwespenart parasitiert auch Blutläuse.
Besonders spezialisierte Arten lassen sich nicht beliebig austauschen.
Warum breit wirkende Insektizide problematisch sind
Manche Pflanzenschutzmittel reduzieren nicht nur die Blutläuse, sondern auch ihre natürlichen Feinde.
Das kann dazu führen, dass sich die verbliebenen Blutläuse später erneut stark vermehren, während wichtige Gegenspieler fehlen.
Das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee beschreibt diesen Zusammenhang als einen möglichen Grund für zunehmende Blutlausprobleme im Apfelanbau.
Deshalb ist es sinnvoll, zunächst örtlich begrenzte Maßnahmen zu bevorzugen und vorhandene Nützlinge zu schonen.
Wann treten Blutläuse auf?
Der Jahresverlauf unterscheidet sich von dem vieler gewöhnlicher Blattläuse.
In Mitteleuropa überwintert die Blutlaus überwiegend als junge Laus, geschützt in Rindenritzen, am Stammgrund und teilweise im Wurzelbereich.
Die überwinternden Tiere besitzen häufig noch keine auffällige Wachswolle. Deshalb ist ein Winterbefall wesentlich schwerer zu erkennen.
Frühjahr: Erste Kolonien entstehen
Bereits im März oder April können überwinterte Läuse bei geeigneten Temperaturen aktiv werden.
Sie wandern zu günstigen Saugstellen und beginnen mit der Vermehrung.
Ab etwa Mai werden die ersten auffälligen Wachskolonien sichtbar, besonders an Schnittwunden und älterem Holz.
Jetzt lohnt es sich, den Baum genauer zu kontrollieren.
Frühsommer: Schnelle Vermehrung
Während des Frühsommers können sich zahlreiche weitere Generationen entwickeln.
Die Tiere vermehren sich bei uns überwiegend ohne Befruchtung und bringen lebende Jungtiere zur Welt.
Dadurch kann eine zunächst kleine Kolonie unter günstigen Bedingungen rasch wachsen.
Später werden auch junge Triebe und Wasserschosser besiedelt.
Ab dem Sommer können geflügelte Tiere neue Bäume erreichen.
Hochsommer: Natürlicher Rückgang möglich
Bei großer Hitze kann sich die Entwicklung der Blutläuse verlangsamen.
Gleichzeitig nimmt in vielen Beständen die Aktivität natürlicher Gegenspieler zu.
Deshalb kann die sichtbare Population im Juli oder August vorübergehend zurückgehen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Tiere verschwunden sind.
Herbst: Erneute Zunahme möglich
Im Spätsommer und Herbst kann die Zahl der Blutläuse wieder ansteigen.
Gerade bei bekannten Befallsbäumen lohnt sich deshalb eine abschließende Kontrolle.
| Jahreszeit | Was sinnvoll ist |
|---|---|
| Frühjahr | Schnittstellen, Rindenritzen und Stammgrund kontrollieren |
| Mai bis Juni | Erste Wachskolonien erkennen und begrenzten Befall entfernen |
| Juli bis August | Neue Triebe sowie natürliche Gegenspieler beobachten |
| September bis Oktober | Erneute Koloniebildung und Rindenschäden prüfen |
| Winter | Auffällige Wucherungen und alte Befallsstellen dokumentieren |
Die Zeiträume sind Orientierungswerte. Witterung und Region beeinflussen den tatsächlichen Beginn der Aktivität.
Für andere saisonabhängige Gartenprobleme bietet der ➡️ Schädlingskalender eine ergänzende Übersicht.
Blutläusen langfristig vorbeugen
Eine dauerhaft blutlausfreie Umgebung lässt sich im Garten kaum garantieren.
Du kannst aber die Bedingungen am Apfelbaum so gestalten, dass starke Kolonien weniger begünstigt werden.
Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden
Sehr kräftiges, weiches Triebwachstum kann einen Befall fördern.
Das gilt besonders für Bäume, die durch hohe Stickstoffgaben oder starke Rückschnitte zahlreiche Wasserschosser bilden.
Dünge deshalb entsprechend dem tatsächlichen Bedarf.
Ein gesunder Apfelbaum benötigt ausreichend Nährstoffe, aber nicht automatisch jedes Jahr zusätzliche große Düngermengen.
Auch ein schwacher Baum sollte nicht allein aufgrund seines geringen Wachstums stark gedüngt werden. Prüfe zuerst Standort, Bodenfeuchtigkeit, Wurzeln und mögliche Schäden.
Den Baum maßvoll schneiden
Ein lichter, ausgewogen wachsender Apfelbaum bietet weniger günstige Bedingungen als eine sehr dichte Krone mit zahlreichen stark wachsenden Trieben.
Vermeide jedoch übertriebenes Auslichten.
Ein radikaler Schnitt kann zahlreiche neue Wasserschosser hervorrufen und zusätzliche Wunden schaffen.
Entferne bevorzugt störende oder ohnehin entbehrliche Triebe und achte auf saubere Schnittführung.
Achte außerdem darauf, dass sich Äste nicht dauerhaft gegenseitig aufscheuern und Baumanbindungen keine Rindenverletzungen verursachen.
Stammgrund und Wurzelhals nicht übersehen
Blutläuse können auch im Wurzelbereich überwintern.
Daher ist es möglich, dass nach einer scheinbar erfolgreichen Bekämpfung in der Krone erneut Tiere auftreten.
Kontrolliere bei einem wiederkehrend stark befallenen Baum den sichtbaren Stammgrund und die Veredlungsstelle.
Grabe jedoch nicht ohne begründeten Verdacht größere Wurzelbereiche frei. Dabei könnten wichtige Feinwurzeln beschädigt werden.
Ein Leimring ist ebenfalls keine zuverlässige Gesamtlösung. Er kann zwar die Wanderung ungeflügelter Tiere vom Stammgrund in die Krone teilweise behindern, verhindert aber nicht den Zuflug geflügelter Blutläuse.
Zudem können Kleberinge unbeabsichtigt andere Insekten beeinträchtigen.
Bei Neupflanzungen geeignete Unterlagen berücksichtigen
Nicht alle Apfelsorten und Unterlagen reagieren gleich empfindlich auf Blutläuse.
Im Obstbau werden unter anderem bestimmte Unterlagen mit erhöhter Widerstandsfähigkeit verwendet.
Bei einer Neupflanzung in einem Garten mit wiederkehrend starkem Befall lohnt es sich, gezielt nach einer geeigneten Kombination aus Sorte und Unterlage zu fragen.
Das ist besonders wichtig bei kleinen Baumformen, deren Wurzelsystem und Wachstum stark von der Unterlage beeinflusst werden.
Eine als widerstandsfähig beschriebene Unterlage bedeutet allerdings nicht automatisch vollständige Immunität.
Helfen Neemöl, Schmierseife oder andere Hausmittel?
Hausmittel werden häufig als einfache Lösung gegen Blattläuse empfohlen. Bei Blutläusen ist die Wirkung jedoch zusätzlich durch den dichten Wachsüberzug und ihren Aufenthaltsort eingeschränkt.
Die Tiere können tief in Rindenritzen sitzen. Eine oberflächliche Behandlung erreicht dort möglicherweise nur einen Teil der Kolonie.
Schmierseife
Eine vorsichtige mechanische Reinigung mit Bürste und Schmierseifenlösung wird auch in Fachinformationen des Pflanzenschutzdienstes genannt.
Das bedeutet aber nicht, dass beliebig konzentrierte Haushaltsmischungen bedenkenlos über den gesamten Baum gesprüht werden sollten.
Ungeeignete Zusätze oder hohe Konzentrationen können Pflanzengewebe schädigen.
Bei einzelnen Kolonien ist das vorsichtige Abbürsten daher meist der bessere Ausgangspunkt.
Neem und ölhaltige Präparate
Bestimmte Pflanzenschutzmittel auf Öl- oder Azadirachtinbasis werden gegen verschiedene saugende Insekten eingesetzt.
Ihre Eignung hängt jedoch vom konkreten Präparat, der Zulassung und dem Anwendungszeitpunkt ab.
Besonders ölhaltige Mittel können bei ungünstiger Witterung oder falscher Anwendung Schäden verursachen.
Außerdem bietet die Wachsschicht der Blutlaus einen gewissen Schutz gegen direkte Benetzung.
Deshalb solltest du nicht davon ausgehen, dass jede Ölspritzung zuverlässig sämtliche Kolonien beseitigt.
Wichtig: Verwende nur Mittel, deren Anwendung für die betreffende Kultur, den Schadorganismus und nichtberufliche Anwender ausdrücklich zulässig ist.
Aktuelle Zulassungen und Auflagen findest du in der Pflanzenschutzmittel-Datenbank des BVL.
Weitere Hinweise zur Einordnung verbreiteter Mischungen findest du unter ➡️ Blattlaus-Hausmittel: Was wirklich hilft.
Wann eine Behandlung überhaupt sinnvoll ist
Eine zusätzliche Behandlung kann vor allem bei starkem, sich ausbreitendem Befall an gefährdeten Jungbäumen erforderlich werden.
Bei einem älteren, kräftigen Baum mit wenigen Kolonien ist das Risiko unnötiger Nebenwirkungen häufig größer als der unmittelbare Nutzen einer großflächigen Anwendung.
Lasse dich bei schweren Schäden möglichst vom regionalen Pflanzenschutzdienst beraten.
Verzichte insbesondere auf wiederholte Spritzungen allein deshalb, weil noch alte weiße Wachsfäden oder Rindenwucherungen sichtbar sind.
Woran du erkennst, ob sich der Befall bessert
Nach dem Abbürsten sind die auffälligen weißen Polster häufig sofort verschwunden.
Das allein ist noch kein Beweis, dass sämtliche Blutläuse beseitigt wurden.
Kontrolliere die behandelten Stellen nach einigen Tagen erneut und achte auf folgende Veränderungen:
- Weniger lebende Kolonien: An den bekannten Befallsstellen sitzen deutlich weniger Tiere.
- Keine starke Ausbreitung: Neue Triebe bleiben weitgehend frei von frischen Wachspolstern.
- Nützlinge sind aktiv: Zwischen verbliebenen Läusen finden sich dunkle, parasitierte Tiere oder räuberische Insekten.
- Gesunder Neuaustrieb: Die Triebe wachsen weiter, ohne zunehmend einzutrocknen.
- Rindenschäden nehmen nicht zu: Es entstehen keine auffälligen neuen Verdickungen oder aufreißenden Bereiche.
Bereits entstandene Wucherungen können dauerhaft sichtbar bleiben. Deshalb solltest du die Wirksamkeit nicht daran messen, ob die Rinde nach wenigen Wochen wieder völlig glatt aussieht.
Bei wiederkehrendem Befall lohnt sich ein Vergleich über mehrere Monate. Halte fest, an welchen Stellen Kolonien auftreten und ob besonders kräftige Jungtriebe betroffen sind.
Wenn trotz wiederholter mechanischer Maßnahmen immer mehr Kolonien entstehen, prüfe auch den Stammgrund und mögliche Überwinterungsstellen.
Bei stark geschädigten Jungbäumen oder zunehmendem Absterben von Ästen sollte zusätzlich eine andere Rindenerkrankung ausgeschlossen werden.
Können Äpfel von einem befallenen Baum noch gegessen werden?
Die Blutlaus schädigt vor allem Triebe, Rinde und Wurzeln. Sie bohrt keine Fraßgänge durch das Fruchtfleisch wie beispielsweise der Apfelwickler.
Deshalb bedeutet ein Blutlausbefall am Baum nicht automatisch, dass die Äpfel ungenießbar sind.
Bei größeren Kolonien können Honigtau und Wachsausscheidungen auf die Früchte gelangen.
Auf dem zuckerhaltigen Honigtau können sich Rußtaupilze ansiedeln. Dadurch entstehen dunkle, oberflächliche Verschmutzungen.
Sind die Äpfel ansonsten gesund, unbeschädigt und frei von Fäulnis, können solche Ablagerungen häufig abgewaschen werden.
Prüfe die Früchte dennoch einzeln.
Äpfel mit tiefen Verletzungen, weichen Faulstellen oder ungewöhnlichen Veränderungen im Fruchtfleisch solltest du nicht allein aufgrund eines Blutlausbefalls als harmlos einstufen.
Wurden Pflanzenschutzmittel eingesetzt, müssen außerdem die vorgeschriebenen Wartezeiten eingehalten werden.
Ein gesund aussehender Apfel von einem befallenen Baum ist also nicht automatisch verloren. Entscheidend sind sein tatsächlicher Zustand und mögliche zusätzliche Schäden.
Häufige Fragen zu Blutläusen
Sind Blutläuse für Menschen gefährlich?
Nein. Blutläuse sind pflanzensaftsaugende Insekten und keine Parasiten des Menschen. Sie stechen keine Menschen, um Blut zu saugen. Die rötliche Körperflüssigkeit ist lediglich das namensgebende Erkennungsmerkmal.
Warum kommen Blutläuse nach dem Abbürsten wieder?
Die Tiere können in Rindenritzen, am Stammgrund und im Wurzelbereich überleben. Außerdem können geflügelte Blutläuse neue Kolonien gründen. Deshalb ist eine wiederholte Kontrolle sinnvoll, auch wenn die sichtbaren Wachspolster zunächst entfernt wurden.
Kann ein Apfelbaum durch Blutläuse absterben?
Ein starker, langjähriger Befall kann besonders junge oder bereits geschwächte Bäume erheblich beeinträchtigen. Einzelne Kolonien führen dagegen normalerweise nicht zum Absterben eines kräftigen, älteren Apfelbaums. Entscheidend sind Befallsstärke, Standort und zusätzliche Schäden.
Helfen Marienkäfer gegen Blutläuse?
Marienkäfer und ihre Larven können Blutläuse fressen. Besonders wichtig ist jedoch die spezialisierte Blutlauszehrwespe. Auch Ohrwürmer und andere räuberische Insekten tragen zur natürlichen Regulierung bei.
Muss ich Blutlauskrebs vollständig herausschneiden?
Nein. Die durch Blutläuse entstandenen Wucherungen müssen nicht grundsätzlich entfernt werden. Unnötiges Ausschneiden kann zusätzliche Rindenverletzungen verursachen. Bei abgestorbenem Gewebe oder Verdacht auf eine zusätzliche Pilzerkrankung ist dagegen eine genauere fachliche Beurteilung sinnvoll.
Können Blutläuse an den Wurzeln sitzen?
Ja. Blutläuse können den oberen Wurzelbereich besiedeln und dort auch überwintern. Besonders bei Jungbäumen können starke unterirdische Kolonien problematisch sein. Ein wiederkehrender Befall in der Krone kann deshalb auch mit überlebenden Tieren am Stammgrund oder an den Wurzeln zusammenhängen.
Muss ich bei Blutläusen alle Äste zurückschneiden?
Nein. Ein radikaler Rückschnitt ist in der Regel kontraproduktiv, weil dadurch zahlreiche neue, kräftige Triebe entstehen können. Entferne nur stark befallene, entbehrliche Jungtriebe und behandle begrenzte Kolonien möglichst mechanisch.

