Dein Pflaumen- oder Zwetschgenbaum hat im Frühjahr reichlich geblüht, doch kurz danach fallen auffällig viele winzige, unreife Früchte ab? Entdeckst du an den jungen Pflaumen kleine Bohrlöcher, dunkle Kotkrümel oder weißliche Larven, kann die Pflaumensägewespe dahinterstecken. Ihre Larven fressen die jungen Früchte von innen aus. Eine einzige Larve kann nacheinander mehrere Pflaumen zerstören und bei starkem Befall erhebliche Ernteverluste verursachen. Betroffen sind neben Pflaumen und Zwetschgen auch Mirabellen und Renekloden. Allerdings hat nicht jeder frühe Fruchtfall dieselbe Ursache: Frostschäden, eine unzureichende Befruchtung und der Pflaumenwickler kommen ebenfalls infrage. Besonders wichtig ist deshalb, wann die Früchte abfallen und wie sie innen aussehen. Je früher du den Befall bemerkst, desto eher kannst du verhindern, dass weitere Larven zur Überwinterung in den Boden gelangen.
Gegen die Pflaumensägewespe hilft im Hausgarten vor allem, befallene Jungfrüchte frühzeitig zu entfernen und regelmäßig aufzusammeln. Weiße Leimtafeln eignen sich zur Flugüberwachung während der Blüte, verhindern einen Befall aber nicht zuverlässig. Sind die Larven bereits im Fruchtinneren, lassen sich die betroffenen Pflaumen nicht mehr retten. Bei geringem Befall und gutem Fruchtansatz ist eine Bekämpfung häufig unnötig.

Inhalt
- Pflaumensägewespe erkennen: Diese Schadbilder sind typisch
- Pflaumensägewespe oder Pflaumenwickler: Was ist der Unterschied?
- Pflaumensägewespe bekämpfen: Diese Maßnahmen sind sinnvoll
- Helfen weiße Leimtafeln gegen die Pflaumensägewespe?
- Kann ein Insektenschutznetz die Pflaumensägewespe abhalten?
- Wann tritt die Pflaumensägewespe auf?
- Wie gefährlich ist ein Befall für die Pflaumenernte?
- Welche Hausmittel und Pflanzenschutzmittel helfen?
- Pflaumensägewespe vorbeugen: Was im nächsten Frühjahr wichtig ist
Pflaumensägewespe erkennen: Diese Schadbilder sind typisch
Die deutlichsten Anzeichen erscheinen kurz nach der Blüte, wenn die jungen Pflaumen gerade beginnen zu wachsen. Häufig fallen die befallenen Früchte ab, bevor sie ihre normale Größe erreichen.
Kleine Löcher und dunkler Kot an jungen Pflaumen
Charakteristisch sind folgende Merkmale:
- Kleine, runde Bohrlöcher: An unreifen Früchten befindet sich häufig eine etwa stecknadelkopfgroße Öffnung. Hat die Larve die Frucht bereits verlassen, kann zusätzlich ein größeres Ausbohrloch vorhanden sein.
- Dunkle Kotkrümel: Aus den Öffnungen tritt teilweise schwärzlicher oder dunkelbrauner, feuchter Kot aus.
- Ausgehöhltes Fruchtinnere: Die Larve frisst am jungen Fruchtfleisch und am sich entwickelnden Samen. Häufig bleibt eine mit Kot verschmutzte Höhlung zurück.
- Vorzeitiger Fruchtfall: Geschädigte Früchte bleiben klein und fallen meist wenige Wochen nach der Blüte ab.
- Mehrere beschädigte Früchte: Weil eine Larve nacheinander verschiedene Früchte befällt, können an einem Fruchtbüschel mehrere Pflaumen betroffen sein.
Ein zusätzliches Merkmal ist ein gelegentlich wahrnehmbarer, unangenehmer, wanzenartiger Geruch an befallenen Früchten. Er allein reicht jedoch nicht für eine sichere Diagnose.
So sehen die Larven aus
Die Larven der Pflaumensägewespe sind weißlich bis gelblich und besitzen eine gelbbraune bis bräunliche Kopfkapsel. Ausgewachsen werden sie ungefähr einen Zentimeter lang.
Sie erinnern an kleine Maden oder Raupen und halten sich geschützt im Inneren der jungen Früchte auf.
Der erwachsene Schädling sieht dagegen völlig anders aus. Tatsächlich gibt es zwei eng verwandte Arten:
- Schwarze Pflaumensägewespe (Hoplocampa minuta): Ein kleiner, überwiegend dunkel gefärbter Hautflügler.
- Gelbe Pflaumensägewespe (Hoplocampa flava): Ähnlich groß, aber überwiegend gelblich bis gelbbraun gefärbt.
Die erwachsenen Tiere erreichen ungefähr 4–6 Millimeter Körperlänge. Beide Arten besitzen durchsichtige Flügel und fliegen hauptsächlich während der Pflaumenblüte.
Für die Maßnahmen im Hausgarten musst du die beiden Arten nicht unterscheiden. Ihre Lebensweise und die verursachten Schäden sind sehr ähnlich.
Befall durch Aufschneiden sicherer erkennen
Mit einer einfachen Fruchtprobe kannst du den Verdacht überprüfen.
- Sammle einige frisch abgefallene Jungfrüchte. Wähle möglichst solche mit erkennbaren Bohrlöchern.
- Untersuche die Fruchthaut. Achte besonders auf kleine Öffnungen und austretenden dunklen Kot.
- Schneide die Frucht vorsichtig auf. Bei sehr kleinen Früchten reicht ein scharfes Messer.
- Kontrolliere das Innere. Suche nach einer weißlich-gelblichen Larve und nach ausgefressenen, verschmutzten Bereichen.
- Vergleiche mehrere Früchte. Untersuche auch eine äußerlich gesunde Jungfrucht.
Findest du eine passende Larve zusammen mit dem typischen Fraßschaden, spricht das stark für eine Pflaumensägewespe.
Fehlt die Larve, ist ein Befall trotzdem möglich. Sie kann die Frucht bereits verlassen haben und sich in einer anderen Frucht befinden.
Auch deshalb solltest du nicht allein aus einem einzelnen Loch auf die Ursache schließen.
Pflaumensägewespe oder Pflaumenwickler: Was ist der Unterschied?
Beide Schädlinge können Pflaumen von innen beschädigen und einen vorzeitigen Fruchtfall auslösen. Gerade im Frühsommer werden sie deshalb häufig verwechselt.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil die Tiere zu unterschiedlichen Zeiten auftreten und andere Maßnahmen erfordern.
| Merkmal | Pflaumensägewespe | Pflaumenwickler |
|---|---|---|
| Hauptschaden | Sehr früh nach der Blüte | Ab Mai/Juni, erneut im Sommer |
| Larve | Weißlich bis gelblich | Häufig blassrosa bis rötlich |
| Fraßbild | Früh ausgehöhlte Jungfrüchte | Fraßgänge, später Fraß um den Stein |
| Typische Anzeichen | Runde Löcher, feuchter dunkler Kot | Bohrloch, teils Gummitropfen |
| Fruchtfall | Oft unmittelbar nach dem frühen Fruchtansatz | Früher Fruchtfall oder spätere Notreife |
| Generationen | Meist eine jährlich | Häufig zwei jährlich |
Der Zeitpunkt liefert einen wichtigen Hinweis, ist aber kein absolut sicheres Unterscheidungsmerkmal. Die erste Generation des Pflaumenwicklers kann ebenfalls junge Früchte schädigen.
Darauf solltest du besonders achten
Fallen bereits kurz nach der Blüte sehr kleine Früchte mit deutlichen Bohrlöchern ab, spricht das eher für die Pflaumensägewespe.
Treten Schäden dagegen später auf, verfärben sich die Früchte bläulich oder werden sie vorzeitig weich, kommt der Pflaumenwickler stärker infrage.
Seine Larven können ebenfalls dunkle Kotkrümel hinterlassen. Ein Gummitropfen am Bohrloch ist deshalb ein zusätzlicher Hinweis, aber kein alleiniger Beweis.
Wenn deine Pflaumen erst im Juni oder während der Reife auffällig werden, findest du die weiteren Unterscheidungsmerkmale beim ➡️ Pflaumenwickler und seinen Fraßschäden.
Nicht jeder frühe Fruchtfall ist ein Schädlingsbefall
Pflaumenbäume werfen auch ohne Schädlinge einen Teil ihrer jungen Früchte ab.
Besonders häufig geschieht das bei unzureichender Befruchtung, Frostschäden oder einem übermäßig starken Fruchtansatz.
Fehlen an abgefallenen Früchten Bohrlöcher und Fraßgänge, solltest du zunächst andere Ursachen prüfen.
Untersuche dabei auch, ob die Blüten während der Blütezeit Spätfrost ausgesetzt waren und ob überhaupt ausreichend Früchte angesetzt wurden.
Auffällig langgestreckte, deformierte und häufig kernlose Früchte können zudem auf die Narren- oder Taschenkrankheit hinweisen. Diese Pilzkrankheit verursacht ein anderes Schadbild und wird nicht durch Sägewespen hervorgerufen.

Pflaumensägewespe bekämpfen: Diese Maßnahmen sind sinnvoll
Die wirksamste unmittelbar verfügbare Maßnahme im Hausgarten ist das frühzeitige Entfernen befallener Früchte.
Damit lässt sich der bereits entstandene Schaden zwar nicht rückgängig machen. Du kannst aber verhindern, dass zumindest ein Teil der Larven ihre Entwicklung abschließt und zur Überwinterung in den Boden gelangt.
1. Befallene Jungfrüchte möglichst früh entfernen
Kontrolliere deinen Pflaumenbaum unmittelbar nach der Blüte, sobald die ersten kleinen Früchte sichtbar werden.
Entdeckst du beschädigte Früchte mit Bohrlöchern oder dunklen Kotspuren, entferne sie möglichst vollständig.
Bei kleinen Bäumen funktioniert das am einfachsten mit der Hand. Sitzen die Fruchtstiele sehr fest oder eng zwischen gesunden Früchten, kannst du sie vorsichtig mit einer sauberen Gartenschere abtrennen.
Achte darauf, gesunde Jungfrüchte und das Fruchtholz nicht unnötig zu verletzen.
Entscheidend ist, dass du die befallenen Früchte entfernst, solange die Larven noch darin leben. Hat die Larve die Frucht bereits verlassen, kann diese Maßnahme ihre weitere Entwicklung nicht mehr verhindern.
2. Heruntergefallene Pflaumen regelmäßig aufsammeln
Viele befallene Früchte fallen selbstständig vom Baum.
Sammle deshalb während der ersten Wochen nach der Blüte regelmäßig das Fallobst unter dem Baum ein. Bei deutlich erkennbarem Befall lohnt es sich, alle ein bis zwei Tage nachzusehen.
Gehe besonders sorgfältig vor, wenn mehrere kleine Früchte an derselben Stelle liegen.
Die Larven können sich aus den abgefallenen Früchten befreien und anschließend in den Boden zurückziehen. Dort überdauern sie die restliche Saison und den Winter.
Entsorge befallene Früchte nicht offen unter dem Baum oder auf einem gewöhnlichen Gartenkompost. Dort könnten noch lebende Larven überleben.
Geeignet ist beispielsweise die Entsorgung über den Restmüll oder eine kommunale Bioabfallsammlung mit entsprechender Behandlung.
Das Aufsammeln reduziert vor allem die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Befalls aus der eigenen überwinternden Population. Zufliegende Sägewespen aus der Umgebung werden dadurch nicht verhindert.
3. Bei starkem Befall vorübergehend eine Bodenabdeckung nutzen
Wenn ein kleiner Pflaumenbaum wiederholt erheblich befallen ist, kann eine zeitlich begrenzte Bodenabdeckung ergänzend sinnvoll sein.
Der Pflanzenschutzdienst Niedersachsen beschreibt diese Möglichkeit, um den Larven den Übergang aus den Früchten in den Boden zu erschweren.
Dazu wird während der Phase des frühen Fruchtfalls eine geeignete Plane unter dem Baum ausgelegt. Abgefallene Früchte lassen sich darauf leichter erkennen und einsammeln.
Wichtig sind dabei drei Punkte:
- Die Abdeckung muss rechtzeitig vor der Abwanderung der Larven liegen.
- Heruntergefallene Früchte müssen regelmäßig entfernt werden.
- Der Boden darf nicht dauerhaft von Wasser und Luft abgeschnitten werden.
Entferne die Abdeckung wieder, sobald die gefährdete Phase vorbei ist. Eine monatelange luft- und wasserdichte Bodenabdeckung kann die Bodenbedingungen verschlechtern und ist keine sinnvolle Dauerlösung.
Bei großen Bäumen oder nur geringem Befall ist der Aufwand meist nicht gerechtfertigt.
Helfen weiße Leimtafeln gegen die Pflaumensägewespe?
Weiße Leimtafeln eignen sich vor allem zur Überwachung der erwachsenen Pflaumensägewespen während der Blüte. Eine zuverlässige Bekämpfung allein durch die Tafeln ist dagegen nicht zu erwarten.
Die Tiere werden von weißen Flächen angelockt, weil diese Blüten ähneln. Auf einer beleimten Tafel bleiben sie haften.
Für die professionelle Flugüberwachung werden häufig spezielle weiße Kreuzfallen eingesetzt.
Wann müssen die Leimtafeln aufgehängt werden?
Die Flugüberwachung beginnt kurz vor dem Öffnen der ersten Blüten und erstreckt sich über die Blütezeit.
In vielen Regionen Deutschlands fällt diese Phase in den April. Je nach Sorte, Standort und Witterung können die Tiere jedoch früher oder später auftreten.
Entscheidend ist deshalb nicht ein festes Kalenderdatum, sondern der Entwicklungsstand des Baumes.
Bringe die Tafeln möglichst gut sichtbar im Bereich der blühenden Krone an und kontrolliere sie regelmäßig.
Dabei gilt:
Ein gefangenes Tier beweist noch keinen erheblichen Schaden. Die Anzahl der Fänge muss zusammen mit dem Blüten- und Fruchtansatz beurteilt werden.
Umgekehrt bedeutet eine leere Falle nicht in jedem Fall, dass überhaupt keine Sägewespen vorhanden sind. Standort, Fallenform und Witterung beeinflussen die Fängigkeit.
Warum weiße Tafeln den Befall nicht sicher verhindern
Ein Teil der erwachsenen Wespen wird zwar abgefangen, doch bereits begattete Weibchen können weiterhin Eier ablegen.
Außerdem lassen sich nicht alle Tiere zuverlässig durch die Tafeln erfassen.
Besonders wichtig: Leimtafeln können auch nützliche Insekten und andere Nichtzieltiere fangen.
Verwende deshalb nur so viele Tafeln, wie du für eine gezielte Kontrolle benötigst, und entferne sie unmittelbar nach der Blüte wieder.
Gelbe Leimtafeln oder Pheromonfallen für den Pflaumenwickler sind kein gleichwertiger Ersatz. Sie richten sich an andere Insekten beziehungsweise funktionieren nach einem anderen Lockprinzip.
Kann ein Insektenschutznetz die Pflaumensägewespe abhalten?
Bei kleineren Pflaumenbäumen kann eine sorgfältig eingesetzte, engmaschige Insektenschutzabdeckung eine zusätzliche Möglichkeit sein, um die Eiablage zu begrenzen.
Allerdings gibt es einen entscheidenden Zielkonflikt: Die Pflaumensägewespen fliegen während der Blüte, wenn auch Bienen und andere Bestäuber Zugang zu den Blüten benötigen.
Wird ein Baum schon vor der Blüte vollständig mit einem Netz verschlossen, können Bestäuber die Blüten nicht mehr erreichen. Dadurch kann der Fruchtansatz erheblich leiden.
Wird das Netz dagegen erst nach dem vollständigen Abblühen angebracht, können die Sägewespen bereits Eier abgelegt haben.
Bei wiederholt starkem Befall kann deshalb eine Abdeckung gegen Ende der Blüte erwogen werden, wenn die meisten Blüten bereits bestäubt wurden, aber noch Eiablagen zu erwarten sind.
Ein solches Vorgehen sollte nur bei kleinen, gut zugänglichen Bäumen erfolgen. Das Netz muss so angebracht werden, dass keine Tiere eingeschlossen werden und die Krone nicht beschädigt wird.
Eine vollständige Verhinderung des Befalls ist damit nicht garantiert.
Für gewöhnliche Hausgärten mit leichtem Befall bleibt das konsequente Entfernen befallener Früchte die unkompliziertere Maßnahme.
Wann tritt die Pflaumensägewespe auf?
Die Pflaumensägewespe ist eng an die Blütenentwicklung ihrer Wirtspflanzen angepasst.
Normalerweise entwickelt sie eine Generation pro Jahr.
Frühjahr: Die erwachsenen Sägewespen schlüpfen
Die Tiere überwintern als Larven in kleinen Kokons im Boden. Im folgenden Frühjahr verpuppen sie sich.
Mit Beginn der Pflaumenblüte erscheinen die erwachsenen Sägewespen. Bei warmer und sonniger Witterung sind sie besonders aktiv.
Die Weibchen legen ihre Eier mithilfe eines sägeartigen Legeapparates in kleine Einschnitte an den Blütenkelchen beziehungsweise im Bereich des Blütenbodens.
Der Name Sägewespe bezieht sich auf diesen Legeapparat.
Nach der Blüte: Die Larven zerstören die Jungfrüchte
Nach ungefähr ein bis zwei Wochen schlüpfen die Larven und beginnen, am sich entwickelnden Fruchtknoten zu fressen.
Sie dringen in die jungen Früchte ein und höhlen diese aus.
Ist eine Frucht weitgehend ausgefressen, kann die Larve sie verlassen und zur nächsten wechseln.
Auf diese Weise kann eine einzelne Larve ungefähr drei bis sechs Früchte zerstören.
Die beschädigten Früchte werden häufig frühzeitig abgestoßen.
Frühsommer bis Winter: Die Larven verschwinden im Boden
Nach Abschluss der Fraßentwicklung verlassen die ausgewachsenen Larven die Früchte und wandern in den Boden.
Dort legen sie einen Kokon an, häufig in einer Tiefe von mehreren Zentimetern.
In diesem geschützten Zustand überdauern sie die restliche Saison und den Winter.
Die Verpuppung erfolgt normalerweise erst im folgenden Frühjahr. Ein Teil der Larven kann allerdings länger im Boden verbleiben.
Das erklärt, warum ein Befall nicht zwingend in jedem Jahr gleich stark auftritt.
Wie gefährlich ist ein Befall für die Pflaumenernte?
Einzelne beschädigte Früchte sind noch kein Grund zur Sorge.
Pflaumen- und Zwetschgenbäume bilden in günstigen Jahren zahlreiche Blüten und setzen mehr Früchte an, als sie später vollständig ernähren können.
Ein leichter Befall kann deshalb wie eine natürliche Fruchtausdünnung wirken.
Problematischer ist die Situation bei einem geringen Fruchtansatz.
Hat der Baum beispielsweise durch Frost oder schlechte Befruchtungsbedingungen ohnehin nur wenige Früchte entwickelt, können bereits relativ wenige Sägewespen einen großen Teil der möglichen Ernte vernichten.
Bei starkem Befall sind erhebliche Ernteausfälle bis hin zu einem vollständigen Ertragsverlust möglich.
Wann solltest du tatsächlich handeln?
Orientiere dich am Zustand deines Baumes:
Wenige geschädigte Früchte und reichlicher Fruchtansatz:
Entferne die befallenen Früchte, soweit es ohne großen Aufwand möglich ist. Weitere Maßnahmen sind normalerweise nicht notwendig.
Viele beschädigte Früchte bei schwachem Fruchtansatz:
Sammle konsequent befallenes Fallobst und dokumentiere den Befall. Kontrolliere den Baum im nächsten Frühjahr bereits vor und während der Blüte.
Wiederholter starker Befall über mehrere Jahre:
Beginne frühzeitig mit der Flugüberwachung. Prüfe gegebenenfalls zusätzliche mechanische Maßnahmen wie eine zeitweilige Bodenabdeckung oder bei kleinen Bäumen ein geeignetes Schutznetz.
Im professionellen Obstbau werden teilweise Schadschwellen anhand der Eiablagen an den Blütenkelchen verwendet. Diese Werte lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf einen einzelnen Hausgartenbaum übertragen.
Eine zuverlässige Einschätzung braucht immer auch den tatsächlichen Blüten- und Fruchtansatz.
Welche Hausmittel und Pflanzenschutzmittel helfen?
Viele Hausmittel sind gegen die Pflaumensägewespe kaum sinnvoll, weil sich die Larven geschützt innerhalb der Früchte entwickeln.
Neemöl, Schmierseife und andere Hausmittel
Für selbst hergestellte Spritzlösungen aus Schmierseife, Essig oder ähnlichen Haushaltsmitteln gibt es keine belastbare Grundlage, um damit die Larven in den Pflaumen zuverlässig zu bekämpfen.
Auch Neempräparate dürfen nicht pauschal als wirksam oder zulässig angesehen werden.
Sobald eine Larve im Inneren der Frucht frisst, ist sie für äußerlich wirkende Mittel nur schwer erreichbar.
Besprühe blühende Pflaumenbäume deshalb nicht auf Verdacht mit Insektenmitteln oder Hausmittelmischungen. Neben möglichen Pflanzenschäden gefährdest du damit unter Umständen auch Bestäuber und andere Nützlinge.
Helfen Nematoden gegen die Larven im Boden?
Die Überwinterung im Boden macht die Pflaumensägewespe theoretisch zu einem möglichen Ziel für bodenlebende Gegenspieler.
Daraus folgt aber nicht, dass handelsübliche Nematodenpräparate gegen diesen Schädling zuverlässig wirken.
Für eine allgemeine Anwendungsempfehlung im Hausgarten fehlen ausreichend belastbare Nachweise zu geeigneten Arten, Anwendungsbedingungen und praktischer Wirksamkeit.
Nematoden, die gegen andere Bodenschädlinge eingesetzt werden, sollten daher nicht einfach auf die Pflaumensägewespe übertragen werden.
Gibt es zugelassene Pflanzenschutzmittel?
Bei der chemischen Bekämpfung ist zwischen dem professionellen Obstbau und dem Haus- und Kleingarten zu unterscheiden.
Fachinformationen aus Deutschland führen für die Pflaumensägewespe im Haus- und Kleingarten keine speziell zugelassenen Pflanzenschutzmittel auf. Da sich Zulassungen ändern können, ist vor jeder Anwendung eine aktuelle Prüfung erforderlich.
Maßgeblich ist die Online-Datenbank zugelassener Pflanzenschutzmittel des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.
Ein Mittel darf nur verwendet werden, wenn seine Zulassung die konkrete Anwendung einschließlich Kultur, Schädling beziehungsweise Anwendungsgebiet und nichtberuflicher Nutzung abdeckt.
Zulassungen für den Erwerbsobstbau gelten nicht automatisch im Privatgarten.
Pflaumensägewespe vorbeugen: Was im nächsten Frühjahr wichtig ist
Hast du in diesem Jahr einen Befall festgestellt, solltest du im nächsten Frühjahr nicht erst warten, bis die ersten Jungfrüchte herunterfallen.
Dann ist ein Teil des Schadens bereits entstanden.
Die wichtigsten vorbeugenden Schritte sind:
- Vor der Blüte: Kontrolliere die Entwicklung der Blütenknospen und bereite bei bekanntem Vorjahresbefall eine gezielte Flugüberwachung vor.
- Während der Blüte: Achte auf erwachsene Sägewespen und kontrolliere gegebenenfalls weiße Leimtafeln.
- Unmittelbar nach der Blüte: Untersuche die ersten Jungfrüchte auf kleine Löcher und auffällige Kotspuren.
- Bei beginnendem Fruchtfall: Entferne beschädigte Früchte und sammle das Fallobst regelmäßig auf.
- Nach der gefährdeten Phase: Prüfe den verbleibenden Fruchtansatz und halte fest, wie stark der Befall tatsächlich war.
Eine vollständige Beseitigung aller Sägewespen im Garten ist weder realistisch noch notwendig.
Vermeide auch ein großflächiges, tiefes Umgraben des Bodens unmittelbar unter der Baumkrone. Dadurch können empfindliche Baumwurzeln beschädigt werden, ohne dass eine zuverlässige Wirkung gegen sämtliche überwinternden Larven zu erwarten ist.
Ein naturnah gestalteter Garten kann natürliche Gegenspieler unterstützen. Allerdings reicht ihre Wirkung bei starkem Sägewespenbefall nicht immer aus, um größere Ernteverluste zu verhindern.
Besonders wichtig ist die Kontrolle im richtigen Entwicklungsstadium. Für die Pflaumensägewespe ist die Zeit von der Blüte bis zum frühen Fruchtansatz deutlich entscheidender als der spätere Sommer.
Häufige Fragen zur Pflaumensägewespe
Kann die Pflaumensägewespe die gesamte Ernte vernichten?
Ja. Bei starkem Befall und geringem Fruchtansatz können die Larven einen erheblichen Teil der jungen Früchte zerstören. Im Extremfall ist ein vollständiger Ernteausfall möglich. Bei reichlichem Fruchtansatz bleibt leichter Befall dagegen häufig ohne größere Folgen.
Sind Pflaumen mit Pflaumensägewespen noch essbar?
Stark befallene, ausgehöhlte oder bereits faulende Früchte solltest du nicht essen. Die Larven schädigen die Früchte und verunreinigen sie mit Kot. Gesunde, unbeschädigte Pflaumen desselben Baumes können dagegen ganz normal verwendet werden.
Warum fallen meine Zwetschgen schon im Mai ab?
Ein früher Fruchtfall kann durch Pflaumensägewespen entstehen. Typisch sind kleine Bohrlöcher, dunkle Kotkrümel und ausgefressene Fruchtbereiche. Fehlen diese Merkmale, solltest du auch Frostschäden und einen unzureichenden Fruchtansatz berücksichtigen.
Ist die Pflaumensägewespe auch an Mirabellen zu finden?
Ja. Die Schwarze und die Gelbe Pflaumensägewespe können neben Pflaumen und Zwetschgen auch Mirabellen und Renekloden befallen. Schadbild und Lebensweise sind weitgehend vergleichbar.
Helfen Gelbtafeln gegen die Pflaumensägewespe?
Gelbtafeln sind für die gezielte Überwachung der Pflaumensägewespe nicht die übliche Methode. Die erwachsenen Tiere werden besonders von weißen Flächen angelockt. Selbst weiße Leimtafeln reichen jedoch nicht aus, um einen Befall zuverlässig zu verhindern.
Kommen Pflaumensägewespen jedes Jahr wieder?
Ein erneuter Befall ist möglich, aber nicht zwangsläufig. Die Larven überwintern im Boden, und erwachsene Tiere können aus der Umgebung zufliegen. Witterung, Blütenentwicklung und die lokale Schädlingspopulation beeinflussen die Befallsstärke.
Muss ich einen stark befallenen Pflaumenbaum zurückschneiden?
Nein. Ein starker Rückschnitt bekämpft weder die Larven in den Früchten noch die überwinternden Tiere im Boden zuverlässig. Entferne lieber gezielt befallene Früchte und kontrolliere den Baum im folgenden Frühjahr rechtzeitig.
Kann ich die Pflaumensägewespe vollständig loswerden?
Eine vollständige und dauerhafte Beseitigung lässt sich im Hausgarten kaum garantieren. Durch frühzeitiges Aufsammeln befallener Früchte und eine gezielte Kontrolle während der Blüte kannst du den Befallsdruck jedoch begrenzen. Entscheidend ist, größere Ernteverluste zu verhindern, nicht jedes einzelne Insekt zu beseitigen.

