Johannisbeerglasflügler erkennen und bekämpfen: So rettest du befallene Johannisbeersträucher

Einzelne Triebe deiner Johannisbeere welken plötzlich, tragen kaum noch Früchte oder sterben ab, obwohl der restliche Strauch gesund aussieht? Dahinter kann der Johannisbeerglasflügler (Synanthedon tipuliformis) stecken. Seine Raupen fressen versteckt im Inneren der Zweige und höhlen das Mark über längere Strecken aus. Von außen bleibt der Befall oft monatelang unbemerkt. Erst schwaches Wachstum, vertrocknende Blätter oder auffällig brüchige Triebe machen auf den Schaden aufmerksam. Besonders häufig sind Schwarze Johannisbeeren betroffen, doch auch Rote und Weiße Johannisbeeren sowie Stachelbeeren können befallen werden. Entscheidend ist, den Schädling von Pilzkrankheiten, Trockenheit und anderen Ursachen für Triebsterben zu unterscheiden. Ein einfacher Blick auf die Schnittfläche eines verdächtigen Zweiges liefert häufig den wichtigsten Hinweis. Wer rechtzeitig handelt, kann die Ausbreitung begrenzen und gesunde Teile des Strauches erhalten.

Gegen den Johannisbeerglasflügler hilft vor allem, befallene Triebe bis zur Basis herauszuschneiden und das Schnittholz sicher zu entsorgen. Ein länglicher, dunkel verfärbter Fraßgang im Inneren des Zweiges ist ein besonders wichtiger Erkennungshinweis. Am günstigsten ist die Entfernung während der Vegetationsruhe oder vor dem Schlupf der Falter im Frühjahr. Spritzmittel erreichen die versteckt lebenden Raupen kaum, während Pheromonfallen hauptsächlich zur Flugüberwachung dienen.

Johannisbeerglasflügler mit durchsichtigen Flügeln neben einem befallenen Johannisbeerstrauch. Die Grafik zeigt welke Triebe, dunkle Fraßgänge im Zweig, eine helle Raupe im Holz und das Ausschneiden befallener Äste.
Johannisbeerglasflügler erkennen und bekämpfen: Befallene Johannisbeersträucher retten
Inhalt
  1. Johannisbeerglasflügler erkennen: Diese Symptome sind typisch
  2. Johannisbeerglasflügler oder andere Ursache? So unterscheidest du die Schäden
  3. Johannisbeerglasflügler bekämpfen: Befallene Triebe richtig schneiden
  4. Wann sollte man Johannisbeertriebe bei Glasflüglerbefall schneiden?
  5. Lebenszyklus des Johannisbeerglasflüglers: So entwickelt sich der Schädling
  6. Pheromonfallen, Nützlinge und Pflanzenschutzmittel: Was hilft wirklich?
  7. Johannisbeerglasflügler vorbeugen: So schützt du gesunde Sträucher
  8. Kann man einen stark befallenen Johannisbeerstrauch noch retten?
  9. Woran erkennst du, ob die Bekämpfung erfolgreich war?

Johannisbeerglasflügler erkennen: Diese Symptome sind typisch

Der Johannisbeerglasflügler gehört zu den Schmetterlingen, obwohl sein Aussehen eher an eine kleine Wespe erinnert.

Den eigentlichen Schaden verursacht jedoch nicht der Falter, sondern seine Raupe. Sie lebt im Inneren der Triebe und frisst sich durch deren weiches Markgewebe.

Der Befall entwickelt sich schleichend. Anfangs kann ein geschädigter Zweig noch völlig gesund wirken.

Welke und absterbende Johannisbeertriebe

Typische Anzeichen sind:

  • Einzelne Triebe wachsen deutlich schwächer als der restliche Strauch.
  • Blätter welken trotz ausreichender Bodenfeuchtigkeit.
  • Manche Zweige treiben im Frühjahr verspätet oder nur schwach aus.
  • Blüten und junge Früchte vertrocknen an bestimmten Trieben.
  • Befallene Äste werden ungewöhnlich brüchig.
  • An einzelnen Stellen können kleine Bohröffnungen und dunkle Kotkrümel sichtbar sein.
  • Im Inneren des Holzes befinden sich längliche, dunkelwandige Fraßgänge.

Besonders verdächtig ist es, wenn nur einzelne Zweige welken, während benachbarte Triebe weiterhin kräftig wachsen.

Bei stärkerem Befall können mehrere Äste ausfallen. Das schwächt den Strauch und reduziert seinen Ertrag.

Allerdings sterben nicht alle befallenen Triebe sofort ab. Manche wachsen lediglich langsamer und tragen weniger Früchte.

Der wichtigste Hinweis: Schwarze Fraßgänge im Holz

Die sicherste praktische Untersuchung besteht darin, einen verdächtigen Trieb aufzuschneiden.

Bei einem Glasflüglerbefall findest du häufig einen länglichen Fraßgang im Markkanal des Zweiges.

Typisch sind:

  • Ein zentral verlaufender, teilweise ausgehöhlter Kanal.
  • Dunkelbraune bis schwarze Gangwände.
  • Kleine Fraßreste im Inneren.
  • Gelegentlich eine cremeweiße Raupe mit braunem Kopf.
  • Geschädigtes, teilweise brüchiges Holz.

Die Raupe frisst überwiegend im Mark des Triebes. Dadurch wird der Zweig geschwächt und kann später leichter abbrechen.

Ein dunkler Markbereich allein ist allerdings kein absolut sicherer Nachweis. Auch abgestorbenes oder krankes Holz kann Verfärbungen zeigen.

Besonders aussagekräftig ist die Kombination aus einem länglichen Fraßkanal, Fraßresten und einer gefundenen Raupe.

So überprüfst du einen verdächtigen Johannisbeertrieb

Untersuche zunächst den gesamten Strauch, bevor du größere Schnittmaßnahmen durchführst.

  1. Suche einen deutlich welkenden, abgestorbenen oder ungewöhnlich schwachen Trieb.
  2. Prüfe, ob benachbarte Zweige ebenfalls betroffen sind.
  3. Kontrolliere die Rinde auf kleine Öffnungen, Verletzungen und austretende Fraßreste.
  4. Schneide einen ohnehin abgestorbenen oder eindeutig stark geschädigten Trieb ab.
  5. Betrachte die Schnittfläche und das Mark im Inneren.
  6. Spalte das entfernte Holz bei Bedarf vorsichtig längs auf.
  7. Suche nach dunklen Fraßgängen, Kotkrümeln oder einer Raupe.

Beginne möglichst mit einem ohnehin nicht mehr erhaltenswerten Zweig. Gesunde Triebe sollten nicht allein zur Kontrolle abgeschnitten werden.

Falls du einen länglichen Fraßgang findest, untersuche das entfernte Holz genauer. Eine lebende Larve liefert einen besonders deutlichen Hinweis auf den aktuellen Befall.

Ist der Trieb dagegen innen weitgehend gesund, solltest du andere Ursachen prüfen.

Wie sieht die Raupe des Johannisbeerglasflüglers aus?

Die Raupen sind cremeweiß bis leicht gelblich und besitzen eine hell- bis rotbraune Kopfkapsel.

Ausgewachsen erreichen sie ungefähr 15 bis 20 Millimeter Länge. Ihr Körper ist deutlich segmentiert und trägt feine Härchen.

Im Gegensatz zu vielen gewöhnlichen Gartenraupen wirst du sie kaum frei auf Blättern entdecken.

Sie verbringen den größten Teil ihrer Entwicklung gut geschützt innerhalb der Johannisbeertriebe.

Wenn du eine unbekannte Raupe findest, kannst du ihre Merkmale zusätzlich mit ➡️ Raupen im Garten erkennen und unterscheiden vergleichen.

Wie sieht der erwachsene Johannisbeerglasflügler aus?

Der Falter erreicht ungefähr 15 bis 20 Millimeter Flügelspannweite.

Seine auffälligsten Merkmale sind:

  • Schmale, weitgehend durchsichtige Flügel.
  • Dunkle Flügeladern und Flügelränder.
  • Ein glänzend blauschwarzer Körper.
  • Mehrere schmale gelbliche Querbinden am Hinterleib.
  • Gelbliche Zeichnungen an Brust und Beinen.
  • Ein dunkles, fächerförmiges Haarbüschel am Hinterleibsende.

Die Ähnlichkeit mit einer Wespe ist eine Form der Schutzmimikry.

Tatsächlich handelt es sich um einen Schmetterling. Er besitzt keinen Wespenstachel.

Anders als viele nachtaktive Schmetterlinge fliegt der Johannisbeerglasflügler überwiegend tagsüber, besonders bei sonnigem Wetter.


Johannisbeerglasflügler oder andere Ursache? So unterscheidest du die Schäden

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Nicht jeder welke oder absterbende Johannisbeertrieb ist vom Glasflügler befallen.

Trockenheit, Frost, Pilzkrankheiten und andere Schädlinge können ähnliche Veränderungen verursachen.

Die richtige Unterscheidung ist wichtig, damit du nicht unnötig gesunde Zweige entfernst.

BeobachtungMögliche UrsacheWoran du sie unterscheidest
Einzelne welke Triebe mit dunklem FraßkanalJohannisbeerglasflüglerLänglicher Tunnel im Mark
Welke Triebe mit rötlichen Pusteln auf der RindeRotpustelkrankheitPilzfruchtkörper auf abgestorbenem Holz
Gesamter Strauch welkt bei trockenem BodenWassermangelViele Triebe gleichzeitig betroffen
Schwacher Austrieb nach FrostFrostschadenAbgestorbenes Gewebe ohne typischen Fraßgang
Kugelförmig angeschwollene KnospenJohannisbeergallmilbeRundknospen statt Markfraß
Stark zerfressene BlätterBlattwespenlarvenFraß an Blättern statt im Holz
Kleine fest sitzende Höcker auf der RindeSchildläuseSichtbare Sauginsekten, keine Fraßgänge

Johannisbeerglasflügler oder Rotpustelkrankheit?

Die Rotpustelkrankheit wird durch einen Pilz verursacht, der besonders geschwächte oder verletzte Gehölze befällt.

Auch hier können einzelne Triebe welken und absterben.

Ein wichtiger Unterschied zeigt sich häufig an der Rinde: Auf abgestorbenem Holz entstehen kleine, korallenrote bis orangefarbene Pusteln.

Beim Johannisbeerglasflügler findest du dagegen typischerweise einen länglichen Fraßgang im Mark.

Beide Probleme können unter ungünstigen Umständen gleichzeitig auftreten. Ein bereits geschwächter Trieb ist gegenüber weiteren Schäden besonders anfällig.

Johannisbeerglasflügler oder Gallmilben?

Die Johannisbeergallmilbe befällt vor allem Schwarze Johannisbeeren.

Charakteristisch sind ungewöhnlich dicke, kugelförmig angeschwollene Knospen.

Diese sogenannten Rundknospen treiben häufig nicht richtig aus oder vertrocknen.

Ein typischer Glasflügler-Fraßgang im Holz entsteht dadurch nicht.

Wenn du hauptsächlich verdickte Knospen und einen schwachen Austrieb beobachtest, hilft dir der Beitrag ➡️ Gallmilben erkennen und richtig einordnen.

Blattwespen, Blattläuse und Schildläuse unterscheiden

Kahl gefressene Johannisbeer- oder Stachelbeersträucher können durch Blattwespenlarven geschädigt werden.

Die Tiere fressen an den Blättern und verursachen teilweise innerhalb kurzer Zeit erhebliche Blattverluste.

Anders als Glasflüglerraupen bohren sie keine länglichen Gänge ins Triebmark. Mehr dazu findest du unter ➡️ Blattwespenbefall an Gartenpflanzen erkennen.

Sind dagegen hauptsächlich junge Blätter eingerollt oder verformt und sitzen kleine Insekten an den Triebspitzen, solltest du ➡️ Blattläuse und ihre typischen Schäden überprüfen.

Auch Schildläuse können die Entwicklung von Johannisbeersträuchern beeinträchtigen.

Sie sitzen meist fest an Trieben und Zweigen. Ihre kleinen, schildartigen Körper können teilweise wie Rindenunregelmäßigkeiten aussehen.

Die Unterscheidungsmerkmale zeigt der Beitrag ➡️ Schildläuse sicher erkennen.

Und wenn die Beeren beschädigt sind?

Der Johannisbeerglasflügler frisst nicht direkt in den Früchten. Seine Raupen schädigen die Triebe und beeinträchtigen dadurch indirekt Wachstum und Ertrag.

Findest du dagegen kleine Fliegenmaden in weich werdenden Johannisbeeren, ist der Glasflügler nicht die naheliegende Ursache.

In solchen Fällen kommt beispielsweise die ➡️ Kirschessigfliege infrage.


Johannisbeerglasflügler bekämpfen: Befallene Triebe richtig schneiden

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Das konsequente Entfernen befallener Triebe ist die wichtigste direkte Maßnahme im Hausgarten.

Die Raupen leben gut geschützt im Inneren des Holzes. Sie lassen sich deshalb weder einfach absammeln noch mit gewöhnlichen Spritzmitteln zuverlässig erreichen.

Entscheidend ist, dass du die befallenen Abschnitte vollständig entfernst.

1. Befallene Triebe möglichst an der Basis entfernen

Sind einzelne Zweige eindeutig befallen, sollten sie bei einem normal aufgebauten Johannisbeerstrauch möglichst nahe über dem Boden entfernt werden.

Gehe folgendermaßen vor:

  1. Identifiziere stark geschädigte oder bestätigte befallene Triebe.
  2. Verwende eine scharfe, saubere Gartenschere.
  3. Schneide den befallenen Haupttrieb möglichst bodennah ab.
  4. Vermeide längere Stummel, in denen befallenes Holz zurückbleiben könnte.
  5. Untersuche die Schnittfläche auf dunkle Fraßgänge.
  6. Kontrolliere auch andere auffällige Zweige.
  7. Entferne sämtliches befallenes Schnittgut aus dem Garten.

Der bodennahe Schnitt ist wichtig, weil die Larve innerhalb des Triebes längere Strecken zurücklegen kann.

Ein bloßes Einkürzen der Triebspitze reicht häufig nicht aus.

Wenn du einen befallenen Seitentrieb entfernst, muss dieser vollständig bis zu seinem Ansatz zurückgenommen werden. Bei Befall des zugehörigen Haupttriebes kann dessen vollständige Entfernung erforderlich sein.

2. Was tun, wenn die Schnittfläche noch schwarz ist?

Zeigt die Schnittfläche einen dunklen, länglichen Fraßkanal, reicht der erfolgte Schnitt möglicherweise nicht aus, um das gesamte befallene Holz zu entfernen.

Bei einem bodenständig wachsenden Strauch solltest du deshalb prüfen, ob der betroffene Haupttrieb noch weiter unten befallen ist.

Wenn der Fraßgang bis zur Basis reicht, muss in der Regel der gesamte betreffende Bodentrieb entfernt werden.

Lasse nicht aus Bequemlichkeit einen längeren Stummel mit offensichtlich geschädigtem Mark stehen.

Wichtig: Nicht jede dunkle Verfärbung bedeutet, dass noch eine lebende Raupe vorhanden ist. Ein alter, bereits verlassener Fraßgang kann weiterhin sichtbar bleiben. Trotzdem ist stark ausgehöhltes Holz häufig nicht mehr dauerhaft tragfähig.

3. Befallenes Schnittgut sicher entsorgen

Die Larven können im abgeschnittenen Holz weiterleben und sich bei geeigneten Bedingungen entwickeln.

Lege befallene Zweige deshalb nicht einfach offen neben das Beet oder auf einen Haufen mit gewöhnlichem Schnittgut.

Im eigenen Gartenkompost werden nicht immer ausreichend hohe Temperaturen erreicht, um die Tiere zuverlässig abzutöten.

Kleinere Mengen befallener Zweige kannst du über den Restmüll entsorgen. Bei größeren Mengen sind die örtlichen Entsorgungsvorgaben zu beachten.

Weitere Hinweise zum Umgang mit problematischem Pflanzenmaterial bietet ➡️ Kranke Pflanzen richtig kompostieren oder entsorgen.

Ein Verbrennen von Gartenabfällen ist vielerorts nicht erlaubt oder nur unter bestimmten Bedingungen zulässig. Es ist für die Bekämpfung nicht erforderlich.

4. Schnittwerkzeuge reinigen

Entferne nach der Arbeit Holzreste und Verschmutzungen von den Schneidflächen.

Wurden zusätzlich kranke oder pilzbefallene Triebe geschnitten, ist eine sorgfältige Reinigung beziehungsweise Desinfektion der Werkzeuge sinnvoll.

Der Glasflügler selbst wird nicht durch eine saubere Schnittklinge übertragen. Bei gleichzeitig vorhandenen Pflanzenkrankheiten kann eine gute Werkzeughygiene jedoch weitere Probleme vermeiden.


Wann sollte man Johannisbeertriebe bei Glasflüglerbefall schneiden?

Der Zeitpunkt ist entscheidend, weil die Larven im Holz überwintern und die Falter im folgenden Frühjahr oder Frühsommer schlüpfen.

Die Bekämpfung sollte möglichst erfolgen, solange sich die Tiere noch in den befallenen Zweigen befinden.

ZeitraumWas passiert?Sinnvolle Maßnahme
Oktober–FebruarLarven befinden sich im HolzVerdächtige und bestätigte Triebe kontrollieren und entfernen
März–AprilLarven fressen weiter, Verpuppung beginntSchwach austreibende Triebe untersuchen
Mai–JuliHauptflugzeit der FalterUnnötige Schnittverletzungen vermeiden
AugustRegional noch Falteraktivität möglichSträucher beobachten, nur notwendige Eingriffe
Ab SeptemberFalterflug meist beendetErhaltungsschnitt und weitere Befallskontrolle

Die Zeiträume verschieben sich je nach Witterung und Region.

Warum der Winterschnitt besonders sinnvoll ist

Während der Vegetationsruhe sitzen die Larven noch im Inneren der Triebe.

Entfernst du diese rechtzeitig, können sich daraus im folgenden Jahr keine Falter mehr entwickeln.

Auch beim Austrieb im März und April lassen sich verdächtige Zweige häufig gut erkennen.

Sie treiben oft schwächer aus oder zeigen bereits früh Welkeerscheinungen.

Die Kontrolle sollte möglichst vor dem Falterschlupf erfolgen.

Warum der Sommerschnitt problematisch sein kann

Johannisbeeren werden normalerweise gern unmittelbar nach der Ernte geschnitten.

Bei einem bekannten Glasflüglerbefall ist jedoch Vorsicht geboten.

Die Weibchen legen ihre Eier unter anderem in Rindenritzen und in der Nähe von Knospen und Schnittwunden ab.

Frische Verletzungen während der Flugzeit können deshalb zusätzliche Eiablagegelegenheiten schaffen.

Bei wiederkehrendem Glasflüglerbefall ist es sinnvoll, den routinemäßigen Sommerschnitt möglichst bis nach dem Ende des Falterfluges aufzuschieben.

Das kann je nach Region und Jahr erst im Spätsommer oder Anfang September der Fall sein.

Eine Ausnahme bilden eindeutig befallene, absterbende Zweige. Diese können bei Bedarf auch während der Vegetationszeit entfernt werden, um die Larven nicht unnötig lange im Strauch zu belassen.

Entscheidend ist, nicht wahllos zusätzliche gesunde Triebe anzuschneiden.

Für die Planung weiterer Schnittarbeiten bietet sich der ➡️ Schnittkalender für Gartenpflanzen an. Bei einem bestätigten Schädlingsbefall hat die gezielte Entfernung befallenen Holzes allerdings Vorrang vor einem allgemeinen Pflegetermin.


Lebenszyklus des Johannisbeerglasflüglers: So entwickelt sich der Schädling

Der Johannisbeerglasflügler bildet in Mitteleuropa gewöhnlich eine Generation pro Jahr.

Seine Entwicklung erklärt, warum der Schädling so schwer zu erkennen und zu bekämpfen ist.

Eiablage im Frühsommer

Die erwachsenen Falter erscheinen meist ab Mai. Der Hauptflug findet häufig von Ende Mai bis Juli statt.

In warmen Regionen oder Jahren können einzelne Tiere länger aktiv sein.

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an die Rinde, bevorzugt in der Nähe von Knospen, Blattachseln und geeigneten Verletzungen.

Nach ungefähr acht bis zehn Tagen schlüpfen die jungen Raupen. Die Dauer hängt von der Temperatur ab.

Raupen bohren sich ins Triebmark

Kurz nach dem Schlupf dringen die Larven in die Zweige ein.

Dort legen sie längliche Fraßgänge im Markkanal an.

Ihr Fraß schreitet meist triebabwärts fort. Dadurch können im Laufe der Entwicklung längere Holzabschnitte geschädigt werden.

Die äußere Rinde bleibt zunächst weitgehend unauffällig.

Genau deshalb wird ein Befall häufig erst Monate später erkannt.

Überwinterung im Zweig

Die Raupen verbleiben im Holz und überwintern dort.

Im Frühjahr setzen sie ihre Entwicklung fort.

Ab April beginnt unter geeigneten Bedingungen die Verpuppung.

Vor dem Schlupf wird eine Austrittsöffnung vorbereitet. Gelegentlich ragt später eine leere Puppenhülle aus dieser Öffnung hervor.

Dieses Merkmal ist ein zusätzlicher Hinweis auf den Glasflügler.

Allerdings bedeutet eine leere Puppenhülle, dass der betreffende Falter bereits geschlüpft ist. Die Entfernung des Zweiges kann diesen Schlupf nicht mehr rückgängig machen.


Pheromonfallen, Nützlinge und Pflanzenschutzmittel: Was hilft wirklich?

Neben dem Ausschneiden werden verschiedene Möglichkeiten zur Bekämpfung des Johannisbeerglasflüglers diskutiert.

Sie unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer praktischen Wirksamkeit.

Pheromonfallen zur Überwachung des Falterfluges

Pheromonfallen enthalten einen artspezifischen Duftstoff, der männliche Johannisbeerglasflügler anlockt.

Die Falter bleiben an einer Klebefläche hängen.

Dadurch lässt sich erkennen, wann die Tiere aktiv werden.

Besonders hilfreich ist das bei wiederkehrendem Befall.

Eine Falle kann zeigen:

  • wann der Falterflug beginnt,
  • ob die Aktivität zunimmt,
  • wie lange die Flugperiode ungefähr dauert,
  • wann zusätzliche Schnittverletzungen besonders vermieden werden sollten.

Die Falle sollte rechtzeitig vor dem erwarteten Flugbeginn angebracht und während der Flugzeit regelmäßig kontrolliert werden.

Eine einzelne Pheromonfalle schützt den Johannisbeerstrauch jedoch nicht zuverlässig vor einem Befall.

Sie fängt überwiegend männliche Tiere. Bereits begattete Weibchen können weiterhin Eier ablegen, und neue Falter können zufliegen.

Auch die Fangzahlen allein beweisen nicht, dass die Larven bereits im Strauch vorhanden sind.

Warum die Verwirrmethode etwas anderes ist

Im Erwerbsanbau werden teilweise Pheromondispenser verwendet, um die Paarung der Falter zu erschweren.

Dabei werden Duftstoffe über größere Flächen verteilt.

Die männlichen Tiere können die natürlichen Duftspuren der Weibchen dadurch schlechter verfolgen.

Dieses Verfahren unterscheidet sich grundlegend von einer einzelnen Überwachungsfalle.

Es setzt geeignete Flächen, ausreichende Dispenserzahlen und eine entsprechend zugelassene Anwendung voraus.

Zeitlich begrenzte Notfallzulassungen im professionellen Beerenobstanbau sind kein allgemeiner Freibrief für private Gärten.

Helfen Schlupfwespen gegen Johannisbeerglasflügler?

Der Johannisbeerglasflügler besitzt natürliche Gegenspieler.

Dazu gehört unter anderem die parasitierende Schlupfwespe Lissonota frontales, deren Entwicklung mit Glasflüglerraupen verbunden ist.

Auch Vögel, Spinnen und räuberische Insekten können Falter oder andere Entwicklungsstadien erbeuten.

Du kannst solche Gegenspieler durch einen naturnahen Garten fördern.

Hilfreich sind:

  • abwechslungsreiche heimische Pflanzen,
  • blühende Kräuter und Wildpflanzen,
  • geeignete Rückzugsräume,
  • der Verzicht auf unnötige breit wirkende Insektizide.

Handelsübliche Trichogramma-Kärtchen gegen andere Schmetterlingsschädlinge sind allerdings keine automatisch geeignete Bekämpfung des Johannisbeerglasflüglers.

Für den privaten Garten ist ein entsprechendes gezieltes Nützlingsverfahren nicht allgemein etabliert.

Können Nematoden den Glasflügler bekämpfen?

Entomopathogene Nematoden, beispielsweise aus der Gattung Steinernema, können bestimmte Insektenlarven parasitieren.

Für verschiedene versteckt lebende Schädlinge werden solche Verfahren untersucht.

Beim Johannisbeerglasflügler ist die Anwendung jedoch problematisch, weil die Larven tief im Holz sitzen und für die Nematoden erreichbar sein müssten.

Eine allgemein gesicherte, einfach durchzuführende Standardbehandlung für Johannisbeersträucher im Hausgarten lässt sich daraus nicht ableiten.

Nematoden, die gegen bodenbewohnende Käferlarven oder Trauermücken angeboten werden, sind deshalb nicht automatisch gegen diesen Schädling geeignet.

Helfen Spritzmittel gegen Johannisbeerglasflügler?

Die Larven sind durch ihre Lebensweise im Inneren der Triebe weitgehend vor äußerlich aufgebrachten Pflanzenschutzmitteln geschützt.

Eine nachträgliche Behandlung kann bereits ausgefressenes Holz zudem nicht reparieren.

Auch vermeintlich natürliche Mittel wie Neemöl, Seifenlösungen oder Pflanzenbrühen gelangen normalerweise nicht ausreichend zu den versteckten Raupen.

Für den privaten Hausgarten ist deshalb das gezielte Ausschneiden die entscheidende Maßnahme.

Aktuelle Zulassungen und Anwendungsbeschränkungen von Pflanzenschutzmitteln kannst du bei Bedarf in der Pflanzenschutzmittel-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überprüfen.


Johannisbeerglasflügler vorbeugen: So schützt du gesunde Sträucher

Vorbeugung bedeutet beim Johannisbeerglasflügler vor allem, geeignete Eiablageplätze möglichst zu reduzieren und den Strauch regelmäßig zu kontrollieren.

Schnittwunden während der Flugzeit vermeiden

Unnötiges Einkürzen gesunder Jungtriebe kann während der Hauptflugzeit zusätzliche Verletzungen schaffen.

Verzichte deshalb bei bekanntem Befallsrisiko auf einen routinemäßigen starken Rückschnitt im Frühsommer.

Entferne stattdessen bevorzugt eindeutig befallene Zweige und verschiebe die übrigen Schnittarbeiten in eine günstigere Zeit.

Sträucher regelmäßig verjüngen

Johannisbeeren profitieren von einem ausgewogenen Aufbau mit jungen und älteren Trieben.

Überalterte, dicht wachsende Sträucher sind schwieriger zu kontrollieren und können durch zusätzliche Schäden weiter geschwächt werden.

Bei der Verjüngung müssen die Unterschiede zwischen den Johannisbeerarten berücksichtigt werden:

  • Schwarze Johannisbeeren tragen besonders gut an ein- und zweijährigem Holz.
  • Rote und Weiße Johannisbeeren fruchten bevorzugt an zwei- und dreijährigem Holz.

Schneide deshalb nicht alle älteren Zweige eines gesunden Strauches auf einmal heraus.

Ersetze überalterte Triebe schrittweise durch kräftigen Neuaustrieb.

Weitere praktische Grundlagen erklärt die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau zum Schnitt von Johannisbeeren.

Neue Pflanzen sorgfältig kontrollieren

Bei einer Neupflanzung solltest du auf gesundes, kräftiges Pflanzmaterial achten.

Verdächtig sind beispielsweise bereits abgestorbene Triebpartien, ungewöhnliche Bohröffnungen oder stark geschwächte Zweige.

Pflanze junge Johannisbeeren möglichst nicht unmittelbar neben stark vernachlässigte, offensichtlich befallene Altbestände.

So reduzierst du zumindest einen möglichen Ausgangspunkt für neuen Befall.

Schwarze Johannisbeeren besonders beobachten

Schwarze Johannisbeeren werden häufig stärker befallen als Rote und Weiße.

Auch Stachelbeeren und Jostabeeren gehören zu den möglichen Wirtspflanzen.

Das bedeutet nicht, dass du auf Schwarze Johannisbeeren verzichten musst.

Es lohnt sich lediglich, diese Sträucher beim Winterschnitt und während des Austriebs besonders sorgfältig zu kontrollieren.


Kann man einen stark befallenen Johannisbeerstrauch noch retten?

Ob sich ein Strauch erholt, hängt vor allem davon ab, wie viele gesunde Triebe und vitale Knospen noch vorhanden sind.

Der Johannisbeerglasflügler zerstört nicht zwangsläufig die gesamte Pflanze.

Häufig beginnt der Schaden an einzelnen Zweigen.

Nur ein oder zwei Triebe sind betroffen

Sind die übrigen Zweige gesund, reicht das gezielte Entfernen der befallenen Triebe häufig aus.

Kontrolliere den Strauch im nächsten Frühjahr erneut.

Ein kräftiger Austrieb aus der Basis ist ein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung.

Mehrere Haupttriebe sind befallen

Bei stärkerem Befall kann ein umfassenderer Verjüngungsschnitt erforderlich werden.

Entferne bestätigte befallene Bodentriebe vollständig.

Erhalte möglichst gesunde, kräftige Triebe, damit der Strauch seine Blattmasse und seine Fähigkeit zur Regeneration nicht unnötig verliert.

Der Ertrag kann im folgenden Jahr geringer ausfallen. Das ist jedoch häufig günstiger, als befallenes Holz dauerhaft am Strauch zu belassen.

Fast der gesamte Strauch ist geschädigt

Sind nahezu alle Haupttriebe ausgefressen, abgestorben oder stark geschwächt, kann eine Neupflanzung sinnvoller sein.

Das gilt besonders für junge Pflanzen, deren wenige tragende Triebe bereits erheblich geschädigt sind, oder für alte Sträucher ohne ausreichenden gesunden Neuaustrieb.

Eine stark befallene Pflanze kann außerdem weiterhin als Ausgangspunkt für neue Falter dienen.

Entferne bei einer Rodung möglichst sämtliches befallenes Holz und kontrolliere auch benachbarte Johannisbeer- und Stachelbeersträucher.

Besonderheit: Johannisbeer-Hochstämmchen

Bei einem Johannisbeer-Hochstämmchen gelten andere Voraussetzungen als bei einem bodenständig wachsenden Strauch.

Ist nur ein Seitenzweig der Krone betroffen, kann dieser gezielt entfernt werden.

Befindet sich der Fraßgang dagegen im tragenden Stamm, lässt sich der Schaden nicht durch einen gewöhnlichen bodennahen Schnitt beheben, ohne die veredelte Krone zu verlieren.

In solchen Fällen kann ein Ersatz der Pflanze notwendig sein.

Schneide deshalb bei Hochstämmchen nicht vorschnell den gesamten Stamm ab, sondern prüfe zuerst genau, welcher Pflanzenteil tatsächlich befallen ist.


Woran erkennst du, ob die Bekämpfung erfolgreich war?

Nach dem Entfernen befallener Triebe ist Geduld notwendig.

Ein bereits geschädigter Zweig wird durch keine Behandlung wieder vollständig gesund.

Entscheidend ist deshalb die Entwicklung der verbliebenen Pflanze.

Positive Anzeichen sind:

  • Gesunde Triebe entwickeln sich weiterhin kräftig.
  • Neue Bodentriebe wachsen nach.
  • Es treten keine zusätzlichen Welkeerscheinungen auf.
  • Bei späteren Schnittkontrollen werden keine neuen Fraßgänge entdeckt.
  • Die Zahl befallener Triebe nimmt in der folgenden Vegetationsperiode ab.

Eine einzelne Kontrolle reicht nicht aus, um einen vollständigen Erfolg zu bestätigen.

Versteckte Larven können in äußerlich noch unauffälligen Zweigen überleben.

Kontrolliere den Strauch deshalb besonders im kommenden Winter und beim nächsten Austrieb erneut.

Wenn trotz konsequentem Entfernen befallener Zweige weiterhin Schäden auftreten, solltest du prüfen, ob zusätzliche Triebe betroffen sind oder eine andere Ursache wie eine Pilzerkrankung, Frostschaden oder Wassermangel vorliegt.


Häufige Fragen zu Johannisbeerglasflüglern

Wie erkenne ich den Johannisbeerglasflügler?
Typisch sind schwach wachsende, welkende oder absterbende Johannisbeertriebe. Beim Aufschneiden befallener Zweige zeigen sich längliche, dunkelbraune bis schwarze Fraßgänge im Mark. Gelegentlich findet man darin eine cremeweiße Raupe mit braunem Kopf.

Was hilft am besten gegen Johannisbeerglasflügler?
Die wichtigste Maßnahme ist das vollständige Entfernen befallener Triebe. Bei normalen Johannisbeersträuchern werden geschädigte Bodentriebe möglichst nahe über dem Boden abgeschnitten. Das befallene Holz muss anschließend sicher entsorgt werden.

Wann sollte ich befallene Johannisbeertriebe schneiden?
Besonders günstig ist der Winterschnitt beziehungsweise eine Kontrolle vor dem Falterschlupf im Frühjahr. Dann befinden sich die Larven noch im Holz. Eindeutig stark befallene Triebe können bei Bedarf auch während der Vegetationszeit entfernt werden.

Kann sich ein befallener Johannisbeerstrauch wieder erholen?
Ja, sofern ausreichend gesunde Triebe und vitale Knospen vorhanden sind. Nach dem Entfernen befallener Zweige können neue Bodentriebe nachwachsen. Stark ausgefressenes Holz selbst regeneriert sich jedoch nicht vollständig.

Befällt der Johannisbeerglasflügler auch Stachelbeeren?
Ja. Neben Schwarzen, Roten und Weißen Johannisbeeren können auch Stachelbeeren und Jostabeeren befallen werden. Besonders häufig und wirtschaftlich bedeutsam ist der Befall an Schwarzen Johannisbeeren.

Ist der Johannisbeerglasflügler eine Wespe?
Nein. Trotz seiner gelb-schwarzen Zeichnung und durchsichtigen Flügel gehört er zu den Schmetterlingen. Sein wespenähnliches Aussehen dient der Abschreckung möglicher Fressfeinde. Er besitzt keinen Wespenstachel.

Wie überwintert der Johannisbeerglasflügler?
Die Raupen überwintern im Inneren der befallenen Triebe. Im folgenden Frühjahr setzen sie ihre Entwicklung fort und verpuppen sich im Holz. Anschließend schlüpfen die erwachsenen Falter.

Helfen Pheromonfallen gegen Johannisbeerglasflügler?
Pheromonfallen eignen sich hauptsächlich zur Überwachung des Falterfluges. Sie locken männliche Tiere an, verhindern aber nicht zuverlässig die Eiablage. Bereits im Holz lebende Raupen werden dadurch nicht bekämpft.

Kann ich Johannisbeeren trotz Glasflüglerbefall essen?
Ja. Der Johannisbeerglasflügler frisst im Holz der Triebe und nicht direkt in den Beeren. Gesunde, normal entwickelte Früchte eines befallenen Strauches können grundsätzlich weiterhin verzehrt werden.

Muss ich bei einem Glasflüglerbefall den ganzen Strauch entfernen?
Nein. Sind nur einzelne Triebe betroffen, reicht häufig deren vollständige Entfernung aus. Eine Rodung kommt vor allem bei sehr starkem Befall, weitgehend abgestorbenen Pflanzen oder fehlender Regenerationsfähigkeit infrage.

Wie viele Generationen entwickelt der Johannisbeerglasflügler pro Jahr?
In Mitteleuropa bildet der Johannisbeerglasflügler gewöhnlich eine Generation pro Jahr. Die Falter fliegen überwiegend vom späten Frühjahr bis in den Sommer, während die Raupen den Winter im Holz verbringen.