Nachsaat ist der Moment, in dem viele Rasen wieder dicht werden – oder eben nicht. Und erstaunlich oft liegt es nicht an der Saat selbst, sondern am ersten Schnitt: zu früh, zu tief oder unter schlechten Bedingungen. Junge Gräser haben am Anfang noch wenig Wurzelmasse und lassen sich leichter aus dem Boden ziehen. Ein falscher Mähgang kann Keimlinge regelrecht „wegkämmen“ oder so stark stressen, dass die Fläche wieder lückig wird.
Hier bekommst du einen einfachen Ablauf: Wann der erste Schnitt wirklich okay ist, wie hoch du starten solltest, welche Technik am wenigsten Stress macht – und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.

Inhalt
1) Ab wann der erste Schnitt okay ist
Der erste Schnitt hängt nicht an einem festen Kalendertag, sondern daran, ob die jungen Halme stabil sind. Nachsaat kann je nach Temperatur und Feuchtigkeit schneller oder langsamer wachsen. Deshalb ist die beste Entscheidung ein kurzer „Zupf-Test“.
Der sichere Praxis-Check:
- Geh mit der Hand über die Fläche und „streiche“ die jungen Halme leicht.
- Zieh mit zwei Fingern sanft an ein paar Halmen (nicht reißen – nur prüfen).
- Wenn sich Keimlinge leicht aus dem Boden lösen oder umknicken, ist es noch zu früh.
Erster Schnitt ist meist okay, wenn:
- Die jungen Halme nicht mehr leicht herausgezogen werden.
- Die Fläche wirkt insgesamt „zusammenhängend“, nicht wie einzelne, lose Fäden.
- Du beim Gehen nicht das Gefühl hast, du drückst alles platt.
Wichtig: Wenn dein Altbestand schon wieder stark wächst und die Nachsaat noch zart ist, heißt das nicht automatisch „sofort mähen“. Dann ist der sichere Weg: hoch schneiden und nur wenig wegnehmen – oder noch ein paar Tage warten, bis du stressarm mähen kannst.
2) Wie hoch beim ersten Schnitt
Beim ersten Schnitt nach Nachsaat gilt: Höher starten, als du es gewohnt bist. Ziel ist nicht „perfekt kurz“, sondern: Altbestand beruhigen, Licht/ Luft ordentlich halten – ohne Keimlinge zu gefährden.
Grundregel für den ersten Schnitt:
- Hoch schneiden und nur wenig abnehmen.
- Auf keinen Fall „auf Zielhöhe“ runterrasieren – junge Halme verzeihen das nicht.
Warum? Keimlinge haben zunächst flache, zarte Wurzeln. Ein tiefer Schnitt kombiniert zwei Probleme: mehr Stress durch Blattverlust und mehr Zug am Boden, wenn der Mäher mit dem Luftstrom/ Rollen arbeitet.
Schnitthöhe: Zielwerte & praktische Faustregeln: ➡️ Schnitthöhe richtig einstellen
3) Technik: trocken, scharf, wenig Stress
Selbst wenn Zeitpunkt und Höhe passen, kann die Technik Nachsaat stressen. Du willst beim ersten Schnitt alles vermeiden, was zerrt, klebt oder rupft.
So mähst du nach Nachsaat am stressärmsten:
- Trocken mähen: Nasses Gras klebt, wird eher gerissen und kann Keimlinge mitziehen.
- Messer scharf: Ein stumpfes Messer rupft statt zu schneiden. Das stresst Altbestand und kann zarte Halme beschädigen.
- Langsam und ruhig: Kein hektisches Tempo, keine engen Wendungen auf der Fläche.
- Wenden außerhalb der Nachsaat-Zone: Wenn möglich, dreh nicht ständig auf der frisch eingesäten Fläche.
- Fangen statt Mulchen (am Anfang): Mulch kann in der Startphase Keimlinge bedecken oder verklumpen, wenn viel Material anfällt. Sauberer ist meistens: erst mal auffangen.
Bonus-Tipp: Wenn dein Mäher Höhenverstellung hat: lieber einen Tick höher, als du „optisch schön“ findest. Nachsaat gewinnt nicht über Optik, sondern über Stabilität.
4) Die 4 häufigsten Fehler
Fehler 1: Zu früh mähen
Der Klassiker: Es sieht „grün“ aus, also wird gemäht. Dabei sind die Halme oft noch nicht fest verwurzelt. Ergebnis: Keimlinge werden ausgerissen, liegen platt oder verschwinden in Fahrspuren.
Besser: Zupf-Test machen und ein paar Tage länger warten, wenn es noch locker ist.
Fehler 2: Zu tief mähen
Zu tief bedeutet: du nimmst zu viel Blattmasse weg und stresst die jungen Pflanzen. Oft sieht man danach hellere, lückigere Bereiche.
Besser: Erster Schnitt hoch, nur wenig abnehmen.
Fehler 3: Bei Nässe mähen
Nass + Nachsaat = Risiko. Gras klebt, Klumpen entstehen, und die Fläche wird mechanisch stärker belastet.
Besser: Warten, bis die Oberfläche trocken ist.
Fehler 4: Zu viel auf einmal (1/3-Regel ignoriert)
Wenn der Altbestand schon lange nicht geschnitten wurde, musst du plötzlich viel wegnehmen. Das ist für Nachsaat besonders ungünstig: Stress für Altbestand, zusätzlicher Druck auf Keimlinge.
Besser: In zwei Schritten arbeiten: erst hoch schneiden, dann nach ein paar Tagen normalisieren.
5) Wenn es nicht klappt: Keimt nicht / Lücken bleiben
Manchmal sieht alles „okay“ aus, aber die Saat kommt ungleichmäßig oder Lücken bleiben. Dann ist „noch mehr Saat drauf“ nicht immer die beste erste Lösung. Häufig sind es diese Ursachen:
- zu wenig Bodenkontakt (Saat liegt obenauf)
- ungleichmäßiges Wässern
- Temperatur passt nicht (zu kalt/zu heiß)
- Vögel oder Ameisen tragen Saat ab
- die Oberfläche trocknet zwischen den Gießgängen zu stark aus
Wenn du Lücken hast oder kaum Keimung siehst, geh systematisch vor – dann sparst du dir die zweite Enttäuschung.
Rasen keimt nicht / Lücken bleiben: Ursachen & Lösungen: ➡️ Rasen keimt nicht
6) Weiter: Nachsaat planen
Wenn du regelmäßig nachsäst, lohnt sich ein klarer Plan: Welche Mischung passt, wie viel brauchst du wirklich, und wann macht Nachsaat Sinn? Damit verhinderst du typische Fehlkäufe und bekommst schneller eine gleichmäßige Fläche.
Nachsaat berechnen & planen: ➡️ Rasen-Nachsaat-Rechner



FRQ
Kann ich direkt nach dem Keimen mähen?
Besser warten, bis die jungen Halme stabil genug sind. Entscheidend ist, dass sie sich nicht mehr leicht aus dem Boden ziehen lassen.
Warum kippt Nachsaat nach dem Mähen?
Oft weil zu tief oder zu früh gemäht wurde. Junge Pflanzen sind empfindlich und verlieren durch einen harten Schnitt schnell Kraft.
Muss ich nach Nachsaat öfter mähen?
Am Anfang vorsichtig. Sobald alles stabil wächst, kannst du wieder in deinen normalen Rhythmus gehen – so, dass du die 1/3-Regel einhältst.
Was, wenn Lücken bleiben?
Dann Ursachen prüfen: Wasserverteilung, Bodenkontakt, Temperatur und mögliche „Saat-Räuber“ wie Vögel. Danach gezielt nachbessern.