Wenn nach Regen oder Gießen Pfützen stehen bleiben, der Boden lange schmierig ist oder der Rasen an denselben Stellen immer wieder schwächelt, liegt das Problem oft nicht „oben im Gras“, sondern im Wasserhaushalt: entweder kommt Wasser nicht rein (Oberflächenproblem) oder es kommt rein – kann aber nicht weg (Untergrund/Abflussproblem). Hier bekommst du einen klaren Plan, wie du beides unterscheidest, was du sofort tun kannst und wann eine Drainage sinnvoll ist.

Inhalt
1) Erst unterscheiden: „Wasser kommt nicht rein“ vs. „Wasser kann nicht weg“
A) Oberflächenproblem (Wasser kommt nicht rein)
Typisch, wenn …
- Wasser perlt ab oder läuft seitlich weg
- der Boden oben hart/krustig wirkt
- du mit dem Schraubendreher nur schwer durch die obere Schicht kommst
- nach kurzer Zeit ist die Oberfläche wieder trocken, aber darunter bleibt es „dicht“
B) Untergrund-/Abflussproblem (Wasser kann nicht weg)
Typisch, wenn …
- Pfützen auch 12–24 Stunden nach Regen noch da sind
- der Boden „schmiert“ und wirkt dauerhaft nass
- es immer dieselben Senken/Spuren/Flächen sind
- du bei Spatenprobe schnell auf sehr dichten, lehmigen Boden triffst
Wenn du dein Gesamtproblem (Verdichtung, Filz, Wasser, Nutzung) einmal sauber einordnen willst, starte über den Hub Boden verdichtet & hart.
Soforttest in 10 Minuten (ohne Labor)
1) Versickerungstest (Eimer-Test light)
- Stell einen Eimer ohne Boden (oder einen stabilen Ring) auf den Rasen.
- Gieß langsam 5–10 Liter hinein.
- Beobachte: versickert es zügig oder steht es lange?
Interpretation:
- versickert langsam, aber stetig → eher „oben dicht / Verdichtung“
- versickert kaum und bleibt stehen → eher Untergrund-/Abflussproblem
2) Spatenprobe (kleines Rechteck reicht)
- 1 Spatenstich: schau dir 10–20 cm Tiefe an
- fühlst du eine „schmierige“, stark klebende Schicht?
- siehst du Wurzeln nur sehr flach?
Hinweis: Lehm/Ton fühlt sich nass „speckig“ an, trocknet hart aus und lässt Wasser schlecht durch.



2) Was du sofort tun kannst (ohne Umbau)
Maßnahme 1: Belastung reduzieren (die unsichtbare Hauptursache)
Staunässe wird schlimmer, wenn du auf nassem Boden läufst, mähst oder fährst.
Sofort: Laufwege meiden, Gerätefahrten vermeiden, nicht „retten“ durch Walzen.
Maßnahme 2: Senken & Spuren entschärfen
Pfützen stehen oft in kleinen Senken.
Sofort: Senken markieren und später minimal ausgleichen (nicht bei Nässe).
Maßnahme 3: Wasserführung verbessern (ohne Drainage)
- Regenrinnen-/Ablaufwasser nicht in die Rasenfläche leiten
- Kanten/Wege prüfen: läuft Wasser vom Pflaster in den Rasen?
- Boden nicht zusätzlich „dicht drücken“ (keine Walze)
Maßnahme 4: Richtig gießen (ja – auch bei Staunässe)
Viele gießen „zu oft und zu wenig“. Das hält die Oberfläche ständig feucht und fördert Probleme.
Wenn du dir unsicher bist, nutze Rasen-Diagnose als Check, ob du gerade eher zu viel/zu oft gießst oder ob die Fläche wirklich nicht abtrocknen kann.
3) Was Aerifizieren bei Staunässe bringt (und was nicht)
Aerifizieren kann helfen, wenn Staunässe hauptsächlich dadurch entsteht, dass der Boden zu wenig Luftkanäle hat und Wasser nicht in die Tiefe kommt. Es ist besonders sinnvoll, wenn:
- Wasser eher „oben stehen bleibt“, aber nicht wochenlang
- die Fläche insgesamt verdichtet wirkt
- du nach dem Aerifizieren sauber nacharbeitest (Topdressing)
Wenn du diese Maßnahme gezielt umsetzen willst, ist die Schwesterseite Aerifizieren der nächste Schritt.
Wichtig: Aerifizieren ersetzt keine Drainage, wenn der Untergrund selbst das Wasser nicht weg lässt oder die Fläche in einer Senke liegt.



4) Hilft Sand bei Staunässe?
Kurz: manchmal, aber oft wird es falsch verstanden.
Sand kann helfen, wenn …
- du vorher den Boden geöffnet hast (z. B. aerifiziert)
- du dünn und gleichmäßig arbeitest
- du langfristig eine durchlässigere obere Zone schaffen willst
Sand hilft wenig oder gar nicht, wenn …
- Wasser aufgrund des Untergrunds nicht weg kann (Lehmplatte, Verdichtungszone tiefer)
- Pfützen durch Senken/Wegeführung entstehen
- du Sand einfach „oben drauf“ kippst (dann entsteht schnell Schichtung)
Wenn du Sand nutzen willst, dann als Teil einer Strategie – nicht als „alleinige Lösung“.
5) Wann ist Drainage wirklich sinnvoll?
Drainage ist ein Thema, wenn du diese Punkte erfüllt siehst:
- Pfützen stehen regelmäßig sehr lange
- der Boden ist in der Tiefe sichtbar dicht/lehmig
- die Fläche liegt tiefer als Umgebung oder bekommt Wasser von außen
- du hast trotz sinnvoller Maßnahmen (Belastung runter, Oberfläche öffnen, korrekt gießen) keine Verbesserung
Dann lohnt sich meist ein planvoller Ansatz (Gefälle, Abfluss, Sickerfähigkeit) – und manchmal auch Profi-Hilfe, bevor du Geld in „falsche Maßnahmen“ steckst.



Häufige Fragen (FAQ)
Hilft Sand bei Staunässe wirklich?
Nur, wenn du vorher den Boden geöffnet hast und dünn arbeitest. Bei Abfluss-/Untergrundproblemen löst Sand das Grundproblem nicht.
Wie erkenne ich lehmigen Unterboden?
Nass fühlt er sich schmierig/klebrig an und lässt sich „schmieren“. Trocken wird er sehr hart. Bei der Spatenprobe siehst du oft eine dichte, strukturarme Zone.
Was bringt Aerifizieren bei Staunässe?
Es schafft Luft- und Wasserkanäle und kann helfen, wenn das Wasser vor allem nicht in den Boden kommt. Bei echtem Abflussproblem ist es nur ein Teil, keine komplette Lösung.
Wann brauche ich eine Drainage?
Wenn Wasser regelmäßig sehr lange steht, der Untergrund dicht ist oder die Fläche in einer Senke liegt – und einfache Maßnahmen keine deutliche Verbesserung bringen.
Was kann ich sofort tun?
Belastung reduzieren (nicht bei Nässe mähen/fahren), Senken markieren, Wasserführung prüfen (läuft Wasser vom Weg in den Rasen?) und die Gießroutine verbessern.