Vertikutieren richtig: so lüftest du den Rasen, ohne ihn zu ruinieren

Vertikutieren kann einen Rasen sichtbar verbessern – wenn es wirklich nötig ist und du es sauber machst. Diese Anleitung zeigt dir den sicheren Ablauf: richtige Zeit, richtige Einstellung, typische Fehler vermeiden und die Nachpflege, die verhindert, dass du dir kahle Stellen reinholst.

Roter Vertikutierer entfernt Filz und Moos vom Rasen; daneben liegt ein Rechen und ein Haufen ausgetragenes Material.
Vertikutieren richtig: Filz lösen, Rasen lüften – ohne ihn zu ruinieren
Inhalt
  1. Muss ich überhaupt vertikutieren? (Entscheidung in 60 Sekunden)
  2. Der beste Zeitpunkt: wann vertikutieren wirklich gut funktioniert
  3. Vorbereitung: damit du keine Schäden produzierst
  4. Einstellung & Tiefe: der wichtigste Punkt der ganzen Seite
  5. Ablauf in der Praxis: so vertikutierst du richtig (Schritt für Schritt)
  6. Nach dem Vertikutieren: die 48 Stunden, die über Erfolg entscheiden

Muss ich überhaupt vertikutieren? (Entscheidung in 60 Sekunden)

Vertikutieren ist kein Pflichtprogramm. Es hilft vor allem dann, wenn der Rasen durch Filz „erstickt“ – also wenn sich eine strohige Schicht zwischen Gras und Boden gebildet hat.

Typische Hinweise auf Filz:

  • Der Rasen fühlt sich „teppichig“ an, du kommst kaum bis zum Boden.
  • Wasser perlt ab oder steht länger, obwohl es nicht stark regnet.
  • Der Rasen wirkt dicht oben, aber schwach darunter – und wird schnell stumpf.

Besser nicht vertikutieren, wenn:

  • Der Boden matschig ist oder du tiefe Fußabdrücke hinterlässt.
  • Es heiß und trocken ist und der Rasen ohnehin gestresst wirkt.
  • Du frisch nachgesät hast oder gerade erst stark repariert wurde.

Wenn du Moos und Filz grundsätzlich sauber unterscheiden willst, lies kurz: Moos & Filz im Rasen: Überblick (/garten/rasen/moos-filz/).
Wenn du Moos loswerden willst, ohne den Rasen zu zerlegen: Moos entfernen ohne kahle Stellen (/garten/rasen/moos-filz/moos-entfernen/).
Und wenn du unsicher bist, ob Vertikutieren überhaupt Sinn macht: Vertikutierer-Entscheider: lohnt sich das bei dir? (/tools/vertikutierer-entscheider/).


Der beste Zeitpunkt: wann vertikutieren wirklich gut funktioniert

Vertikutieren klappt am besten, wenn der Rasen wachsen kann. Denn danach muss er die angeritzte Oberfläche wieder schließen.

Gute Bedingungen sind:

  • milde Temperaturen, kein Hitzestress
  • Boden leicht abgetrocknet (nicht staubtrocken, nicht schmierig)
  • in den nächsten Tagen keine Extremphase (Hitze, Dauerregen)

Faustregel: Wenn der Rasen nach einem Schnitt innerhalb weniger Tage sichtbar nachschiebt, ist das Timing oft gut. Wenn er gerade „steht“ und kaum wächst, ist Vertikutieren eher Risiko.


Vorbereitung: damit du keine Schäden produzierst

Viele Schäden passieren nicht beim Vertikutieren selbst, sondern durch falsche Vorbereitung.

1) Mähen – aber nicht rasieren
Mähe auf mittlere Höhe. Zu kurz vor dem Vertikutieren ist der schnellste Weg zu gelben Stellen und Stress.

2) Fläche frei machen
Äste, Steine, Spielzeug und alles, was hängen bleiben kann, raus.

3) Bodencheck
Wenn du beim Drauftreten matschige Spuren machst: warten. Wenn es staubt: lieber erst auf bessere Bedingungen warten.


Einstellung & Tiefe: der wichtigste Punkt der ganzen Seite

Der Vertikutierer soll Filz anritzen – nicht den Boden fräsen.

Richtig ist:

  • Du siehst Material oben (Filz/Moos), aber nicht überall blanke Erde.
  • Der Rasen wirkt nachher „geöffnet“, nicht „umgepflügt“.

Zu tief ist es, wenn:

  • du tiefe Rillen ziehst
  • du großflächig Erde hochholst
  • die Fläche danach wie ein frisch bearbeitetes Beet aussieht

Merksatz: Ein sanfter Durchgang, der den Filz löst, ist besser als ein aggressiver, der den Rasen killt.


Ablauf in der Praxis: so vertikutierst du richtig (Schritt für Schritt)

Schritt 1: Erster Durchgang – sanft und gleichmäßig

Fahre in Bahnen, leicht überlappend, in ruhigem Tempo. Ziel: Filz lösen, nicht Boden umdrehen.

Schritt 2: Entscheiden, ob ein zweiter Durchgang nötig ist

Ein zweiter Durchgang macht nur Sinn, wenn du nach dem ersten noch klar spürst, dass der Filz „steht“ und kaum Material gelöst wurde.
Wenn du bereits viel Material oben hast: nicht weiter „nachlegen“.

Schritt 3: Material komplett entfernen

Das gelöste Material muss runter – sonst liegt es wie eine Decke auf dem Rasen. Rechen/Striegel oder Fangsack, je nach Menge.

Schritt 4: Problemstellen separat behandeln

Wenn es einzelne teppichige Zonen gibt, bearbeite lieber diese Stellen kontrolliert statt die ganze Fläche unnötig hart anzufassen.


Nach dem Vertikutieren: die 48 Stunden, die über Erfolg entscheiden

Direkt nach dem Vertikutieren ist der Rasen empfindlicher. Wenn du jetzt falsch reagierst, kommen die typischen Probleme: gelbe Stellen, Lücken, Rückfall.

Was jetzt zählt:

  • Oberfläche nicht austrocknen lassen, aber auch nicht permanent nass halten
  • nicht sofort „alles gleichzeitig“ machen (Dünger + Nachsaat + extremes Wässern)
  • die Fläche 1–2 Tage möglichst schonen

Wenn du danach Lücken siehst, ist die nächste Frage: nachsäen oder nicht?


Nachsaat nach dem Vertikutieren: nur wenn echte Lücken da sind

Viele säen zu früh oder zu viel. Wenn der Rasen nur offener aussieht, aber noch genügend Gras da ist, braucht er oft erst Ruhe und gutes Wässern.

Nachsaat ist sinnvoll, wenn:

  • du nach dem Entfernen/Vertikutieren wirklich Boden siehst
  • die Fläche ungleichmäßig wird und nicht von allein zugeht

Dann gilt: Saat braucht Bodenkontakt und gleichmäßige Feuchte.
Nutze dafür: Rasen nach dem Vertikutieren nachsäen: Menge & Fläche berechnen.


Bewässerung danach: so kommt der Rasen wieder in die Spur

Wenn die Feuchte nach dem Vertikutieren nicht passt, funktioniert weder Regeneration noch Nachsaat.
Zu viel „klein-klein“ hält die Oberfläche dauerfeucht – das ist genau das Klima, in dem Moos sich wohlfühlt. Zu wenig lässt Keimlinge sterben.

Wenn du das einmal sauber einstellen willst: Bewässerung nach dem Vertikutieren: Plan statt Gefühl.


Düngen nach dem Vertikutieren: ja – aber passend und nicht blind

Ein Rasen, der nach dem Vertikutieren wieder dicht werden soll, braucht Wachstum. Aber zu stark oder zur falschen Zeit düngen kann Stress verstärken, besonders bei Trockenheit.

Wenn du düngst, dann so, dass es zu deiner Fläche und deinem Ziel passt: Düngermenge passend berechnen (/tools/rasen-duenger-rechner/).


Die häufigsten Fehler (und wie du sie vermeidest)

Fehler 1: Zu tief einstellen
Ergebnis: kahle Stellen, Rillen, unnötiger Stress. Lösung: flacher, ruhiger, weniger Durchgänge.

Fehler 2: Bei Nässe vertikutieren
Ergebnis: Boden wird aufgerissen, Wurzeln leiden, Regeneration dauert. Lösung: warten, bis der Boden abgetrocknet ist.

Fehler 3: Zu kurz mähen
Ergebnis: Gras hat zu wenig Blattmasse, um schnell zu regenerieren. Lösung: mittlere Schnitthöhe.

Fehler 4: Alles auf einmal
Ergebnis: Vertikutieren + extrem düngen + nachsäen + Hitze = Stresspaket. Lösung: Schrittfolge einhalten, erst stabilisieren, dann gezielt ergänzen.

Fehler 5: Material liegen lassen
Ergebnis: neue Filzschicht, Luftmangel, Rückfall. Lösung: sauber abräumen.


Wenn der Rasen danach gelb wird oder dünn bleibt

Ein bisschen „offener“ und optisch rauer ist normal. Wenn es aber deutlich gelb wird oder der Rasen über Wochen dünn bleibt, steckt meist eine Ursache dahinter (Stress, Boden, Wasser, Schnitt).

Dann helfen diese Seiten gezielt weiter:


Häufige Fragen

Wie oft sollte man vertikutieren?
Nur wenn Filz wirklich ein Problem ist. Viele Rasenflächen kommen ohne jährliches Vertikutieren aus, wenn Schnitt und Bewässerung passen.

Ist vertikutieren bei Moos sinnvoll?
Manchmal – aber Moos ist oft Symptom. Entfernen hilft, aber ohne Ursache (Feuchte, Verdichtung, Schatten) kommt es zurück.

Woran merke ich, dass ich zu tief war?
Wenn großflächig Erde hochkommt, tiefe Rillen entstehen oder der Rasen wie gefräst aussieht, war es zu tief.

Sollte ich direkt danach düngen?
Nur, wenn Bedingungen passen und du nicht gerade in Trockenstress bist. Besser planbar und passend dosiert als „einfach viel“.

Wann darf ich wieder mähen?
Sobald der Rasen wieder stabil wirkt und genug nachgeschoben hat. Nicht direkt am nächsten Tag „runterrasieren“.